Kategorie: Tutorial


Kapitel 10: Bilder komponieren

25. November 2008 - 15:47 Uhr

Beim Fotografieren stellt sich stets die Frage, wo genau im Bild denn nun die Motive zu finden sein sollen. Fotografiert man einen Menschen - sollte er dann in der Mitte stehen? Sozusagen im Mittelpunkt des Interesses?

Diese wohl intuitive Annahme ist falsch. Es hat sich gezeigt, daß Fotos sehr viel ästhetischer wirken, wenn man das Hauptmotiv nicht im Bildzentrum hat. Wie auch in der Malerei sollte man bei der Fotografie dem Goldenen Schnitt folgen.

Die Illustration soll das kurz verdeutlichen: man unterteilt das Bild in zwei senkrechte und waagerechte Linien, die jeweils das Bild dritteln. Motive, die sich an einem der Schnittpunkte der Linien aufhalten (ein Mensch z.B. oder bei Nahaufnahmen die Augen) oder Motive die entlang einer der Linien ausgerichtet sind, wirken sehr viel spannender als jene Motive, die sich z.B. in der Bildmitte aufhalten.

23_bildkomposition.jpg

So sollte z.B. auch der Horizont meist nicht das Bild in zwei gleichgroße Hälften teilen. Je nachdem was man betonen möchte, den Himmel oder das Meer/Motiv, sollte der Horizont entweder entlang der oberen oder unteren waagerechten Linie laufen. Das bereits bekannte Bild des Hamburger Hafens illustriert das, der Horizont läuft in etwa (es muß natürlich niemals exakt sein) die untere Linie entlang.

24_horizontschnitt.jpg

Nicht immer kann man den Bildaufbau beim Fotografieren beachten, z.B. wenn es schnell gehen muss. In der Nachbearbeitung aber sollte man dann mit dem Freistellungswerkzeug das Foto entsprechend zurechtschneiden, so dass das Foto dem Goldenen Schnitt folgt.

Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen. Manchmal muss ein Foto symmetrisch sein, manchmal muss der Horizont oder eine Person genau in der Mitte sein, aber mit entsprechender Erfahrung lernt man solche Situationen zu erkennen. Für die meisten Fotos wird der Goldene Schnitt eine sehr gute Richtlinie sein.

3 Kommentare » | Tutorial

Kapitel 9: Bilder speichern

25. November 2008 - 15:22 Uhr

Ist man mit den Resultaten seiner Arbeit zufrieden speichert man die Bilder. Hier gibt es jedoch ein paar Dinge zu beachten: möchte man Exif-Daten und IPTC-Tags im Bild behalten, darf man nicht das Webspeichermodul verwenden, dieses entfernt nämlich die Daten, um ein paar KB zu sparen.

Desweiteren ist es wichtig, daß man keine zu starke JPEG-Komprimierung wählt. Bei den Bildoptionen sollte man die Qualität 11-12 benutzen. Bei den heutigen Festplattenpreisen lohnt es einfach nicht, ein paar Megabyte bei der Bildgröße zu sparen, dann aber vielleicht JPEG-Artefakte im Bild zu haben.

Kommentieren » | Tutorial

Kapitel 8: Gegen das Licht

21. November 2008 - 13:42 Uhr

Normalerweise fotografiert man nicht gegen die Sonne, es sei denn, man wünscht sich einen Scherenschnitteffekt für sein Bild. Es gibt aber Situationen wo es ratsam ist, gegen das Licht bzw. teilweise gegen das Licht zu fotografieren und zwar bei Porträtaufnahmen im Freien.

Früher hat man es bei den Urlaubsfotos oft so gehalten, dass der Fotograf die Sonne im Rücken hatte und die Familie in die Kamera lächelte… nur, dass das auch mal gequält aussehen konnte, weil nämlich die Sonne den Personen direkt ins Gesicht schien und sie die Augen zusammenkneifen mussten. Es ist keine gute Idee, Personen so aufzustellen, dass sie genau in die Sonne blicken.

Je nachdem welchen Effekt man will, ist es ratsam die Sonne seitlich stehen zu haben oder aber im Rücken der Person, man muss dann gegen die Sonne fotografieren. Macht man jetzt ein Foto wird man hinterher entsetzt sein. Die Person ist furchtbar unterbelichtet. Die Kamera hat auf den hellen Himmel belichtet und wählt eine entsprechend kurze Verschlusszeit. Man kann jetzt die Messmethode der automatischen Belichtung ändern und z.B. zur Spotmessung greifen, dann ist die Person korrekt belichtet, aber der Himmel furchtbar überbelichtet.

Besser ist es deshalb, einen Aufhellblitz zu benutzen. Es wird dabei ganz normal auf den hellen Himmel belichtet, der Aufhellblitz sorgt dann dafür, dass die Person, die man fotografiert, nicht als Silhouette auf dem Foto endet, sondern korrekt ausgeleuchtet wird.

Bei einer DSLR steht der Aufhellblitz nicht im Automatikmodus und ebenfalls nicht im Programm-Modus „P” zur Verfügung. Man muss also im Zeit- oder Blendenautomatikmodus arbeiten, der manuelle Modus geht selbstverständlich auch. In diesen drei Modi dient der Blitz als unterstützende Lichtquelle, er hellt die Szenerie auf, im Gegensatz zum Automatikmodus, wo der Blitz als alleinige Blitzquelle dient, was dann oft Fotos unnatürlich oder auch totgeblitzt wirken lässt, vor allem wenn man den eingebauten Blitz verwendet und keinen externen.

Hier als Beispiel ein Foto einer Statue, einmal ohne und einmal mit Aufhellblitz. Die Sonne befand sich schräg rechts hinter der Statue.

21_gegenlicht.jpg   22_gegenlicht_aufhellblitz.jpg

3 Kommentare » | Tutorial

Kapitel 7: Farbstiche entfernen

20. November 2008 - 11:42 Uhr

Farbstiche sind kein so großes Problem in der digitalen Fotografie. Der automatische Weißabgleich versagt meist nur in Räumen, seltener aber draußen im Tageslicht.

Farbstiche kennt man eher von gescannten Fotos, sei es, dass der Scanner nicht genau genug kalibriert ist, oder dass das Ausgangsmaterial als solches schon einen Farbstich aufweist.

Ein Mittel, Farbstiche schon beim Fotografieren zu verhindern sind z.B. Farbkalibrierungstafeln, diese haben ein weißes, ein 50% graues und ein schwarzes Feld. Man nimmt dann ein Referenzfoto mit der Karte und bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen die anderen Fotos ohne die Karte auf.

Wahlweise ist es auch möglich einen manuellen Weißabgleich mit der Kamera durchzuführen. Hat man ein Foto mit der Kalibrierungstafel geschossen, werden hinterher ganz einfach mit Photoshop die Farben kalibriert.

Wie das genau geht, wird weiter unten erklärt. Hat man beim Fotografieren oder beim Scannen das Bild nicht farbkalibrieren können, bietet Photoshop einige Mittel, um den Farbstich zu entfernen.

Je nach Bild ist es nötig eines, manchmal aber auch mehrere Mittel im Verbund anzuwenden. Der vorliegende Diascan hat einen deutlichen Blaustich. Wie den Blaustich am schnellsten entfernen? Wie immer zunächst eine Kopie der Hintergrundebene erstellen (STRG+J) und diese aktivieren, damit man nicht die Originalpixel verändert und jederzeit zum Ausgangspunkt zurückgehen kann.

17_farbstich_original1.jpg

1. Mit aktivierter kopierter Ebene jetzt den „Auto-Farbe” Befehl von Photoshop testen. Man findet ihn im Bildmenü bei den „Anpassungen”. Auto-Farbe versucht, vollautomatisch Farbstiche zu entfernen.

Manchmal klappt das sehr gut und mehr ist gar nicht nötig. Manchmal funktioniert es aber auch nicht, dann muss das Problem manuell angegangen werden. Hier liefert Auto-Farbe schon mal ein ganz brauchbares Ergebnis. Aber wirklich zufrieden bin ich noch nicht.

18_farbstich_-autofarbe.jpg

2. Wenn man sich nicht mehr an die Farb- und Lichtverhältnisse vor Ort erinnert, ist Farbkorrektur immer auch ein wenig Ansichts- und Geschmackssache. Man sollte es natürlich nicht übertreiben. Hier z.B. wünsche ich mir eine sonnigere Atmosphäre. Ich erstelle also eine Farbbalance-Einstellungsebene und ändere den Gelbanteil des Bildes, bis es mir sonnig genug erscheint.

19_farbstich_farbbalance2.jpg

3. Vielleicht habe ich es etwas übertrieben mit dem Gelbanteil?

Es gibt noch ein sehr mächtiges Werkzeug zur manuellen Entfernung von Farbstichen: die Gradationskurven. Ich erstelle eine Gradationskurven-Einstellungsebene und klicke auf die weiße Pipette. Mit aktivierter weißer Pipette suche ich mir jetzt im Bild eine Stelle, von der mir bekannt ist, dass sie weiß ist. Wolken z.B. sind bei sonnigem Wetter meistens weiß, so auch die Wolken hier. Ich klicke also einmal mit aktivierter weißer Pipette auf eine weiße Stelle in den Wolken.

Sofort ändert sich die Farbe wieder und der sonnige Effekt ist etwas subtiler. Ich bin mit dem Resultat zufrieden.

20_farbstich_-kurven.jpg

Was ist eigentlich eben geschehen?

Ich habe das Bild teilweise farbkalibriert und zwar habe ich Photoshop mitgeteilt, welche Farbe im Bild es als „weiß” betrachten soll. Hier bei diesem Beispiel reicht das dann auch eigentlich.

Es gibt aber auch Bilder, bei denen es nicht reicht, einen Weißpunkt zu setzen, Bilder, bei denen Auto-Farbe keinen Erfolg hat und man selber auch nicht so recht weiß, in welche Richtung man die Farben verändern soll. Dann hat man mit den Gradationskurven ein potentiell sehr mächtiges Werkzeug.

Hier geht es darum weiß, schwarz und neutral grau zu definieren. Und es kommt die Kalibrierungskarte ins Spiel. Hat man ein Foto mit so einer Karte geschossen, kann man es jetzt verwenden, um eben jene drei Punkte zu definieren. Und man hat sofort ein perfekt farbkalibriertes Bild mit neutralen Farben. Alle anderen Bilder aus der gleichen Fotoreihe (unter gleichen Lichtverhältnissen) lassen sich jetzt ganz bequem in Photoshop mit dem Befehl „Gleiche Farbe” (zu finden im Bildanpassungsmenü) farbkalibrieren, man muss sie dazu nur in Photoshop öffnen und dann den Befehl ausführen.

Meistens hatte man so eine Karte aber nicht zur Hand. Wenn man jedoch genau weiß, welche Stellen im Bild weiß und schwarz sind, kann man diese Punkte schon mal setzen. Entscheidend ist aber meist das neutrale Grau. Hat man kein neutrales Grau im Bild, kann man nicht mit der Pipette den Punkt setzen, es bleibt dann nur das eigene Auge und die manuelle Farbkorrektur des Bildes. Hier hilft dann die vorhin benutzte Farbbalance, oder man kann als visuelles Werkzeug den Befehl „Variationen” (im Bildanpassungsmenü) verwenden.

Zu guter Letzt kommen die Gradationskurven selber ins Spiel, muss man die einzelnen Farbkanäle aufrufen und die Kurven entsprechend ändern. Dies erfordert viel Geduld und Erfahrung und vor allem viel Zeit. Weswegen man nur dann zu dieser manuellen Feinarbeit ansetzen sollte, wenn die anderen Mittel versagen bzw. nicht das gewünschte Resultat liefern.

Kommentieren » | Tutorial

Kapitel 6: Gebäude im Spiegelkabinett

19. November 2008 - 11:57 Uhr

Die Gebäudefotografie wird besonders von einem Effekt geplagt: stürzende Linien, die auf Fotos den Anschein bewirken, als würden sich die Gebäude nach hinten neigen. Man kann den Effekt sehr gut hier am Berliner Hauptbahnhof sehen.

12_bahnhof.jpg

Es sieht nicht nur so aus, als würde sich der ganze Bahnhof nach hinten neigen, er wirkt auch insgesamt krumm und schief, als würde man das Gebäude in einem Zerrspiegel betrachten.

Dieser Effekt tritt vor allem dann auf, wenn man im Weitwinkelbereich fotografiert und die Kamera nicht rechtwinklig zum Motiv hält, wenn man also die Kamera bezogen auf das Motiv nach oben, unten oder zur Seite kippt. Diese Neigung sorgt dann für die stürzenden Linien und die Verzerrungen.

Aber auch hierfür bietet Photoshop eine Lösung: den Objektivkorrekturfilter. Er befindet sich im Filtermenü bei den „Verzerrungsfiltern” und dort dann unter der „Objektivkorrektur”.

12b_bahnhof_objektivkorrektur.jpg

Ehe man den Filter aufruft, sollte man zuerst mit STRG+J eine Kopie der Hintergrundebene anlegen, so ist man auf der sicheren Seite, falls etwas schiefläuft. Im Fenster, das jetzt erscheint stehen zahlreiche Optionen zur Verfügung.

„Chromatische Aberration” entfernt die leidigen Farbränder, die man bei einigen Objektiven erhält, wenn man z.B. einen kahlen Baum vor einem blauen Himmel fotografiert. „Vignette” beseitigt die Abdunkelung in den Ecken, die vor allem im Weitwinkelbereich auftreten kann. „Verzerrung” beseitigt die Trommel- oder Kissenverzerrung der Objektive. In diesem konkreten Beispiel interessiert uns aber hauptsächlich der Punkt „Transformieren”.

Um die stürzenden Linien zu entfernen gibt es zwei Werkzeuge: für senkrechte Linien, die nach vorne oder hinten kippen, muss man die vertikale Perspektive verändern, für waagerechte Linien die kippen, benutzt man die horizontale Perspektive.

Der Hauptbahnhof kippt nach hinten, also müssen wir die vertikale Perspektive ändern, dazu einfach am Schieberegler drehen und sich am Gitternetz orientieren, bis die Gebäudekanten gerade sind. Es ist gut möglich, dass man nicht immer alle Verzerrungen komplett entfernen kann.

Beim Bahnhof ist es so, dass entweder die rechte Kante genau gerade war, dann aber der Turm zur Linken noch etwas nach hinten kippte oder, dass der Turm zur Linken gerade war, dann aber die rechte Kante wieder etwas verzerrt. Ich entschied mich für die rechte Kante und richtete sie gerade aus.

Um jetzt den Turm links auch noch gerade auszurichten braucht es etwas Handarbeit.

Korrektur der Verzerrung:

1. Zuerst wird eine Hilfslinie erstellt. Dazu im Menü „Auswahl” „Neue Hilfslinie” auswählen, als Wert z.B. 100 px eingeben.

2. Jetzt das „Bewegen”-Werkzeug in der Werkzeugpalette aktivieren und mit dem Mauszeiger über die Hilfslinie gehen, bis sich der Cursor verändert. Jetzt die Hilfslinie bis zum Fundament des Turmes ziehen. Der Turm kippt jetzt noch leicht nach hinten.

13_bahnhof_hilfslinie1.jpg

3. Nun mit dem rechteckigen Auswahlwerkzeug eine enge Auswahl um den Turm und den Flügel rechts daneben erstellen. Sie sollte am Fundament beginnen, dort wo auch die Hilfslinie ist, und direkt oberhalb des Turmes enden.

4. Danach die Auswahl in eine neue Ebene kopieren (Tastaturkürzel STRG+J).

5. In der neuen Ebene aktiviert man jetzt das Transformationswerkzeug mit STRG+T, es verbirgt sich sonst im Menü „Bearbeiten” und dort dann unter „Frei transformieren”. Mit gedrückter STRG-Taste jetzt den oberen linken Eckpunkt vorsichtig nach links ziehen, dazu die Hilfslinie als Zielpunkt nehmen.

Der Turm wird geradegerückt. Wenn man zufrieden ist, die Transformation bestätigen. Der Hauptbahnhof sieht jetzt nicht mehr so aus, als würde er aus dem Bild kippen wollen.

14_bahnhof_fertig.jpg

Ein weiterer Verzerrungseffekt, dem man immer wieder begegnet, ist die objektiveigene Verzerrung, sprich Kissen- oder Trommelverzerrung, das Motiv wirkt dann gestaucht oder aufgebläht. Am Foto der Fensterreihen kann man zusätzlich zur eben schon gesehenen perspektivischen Verzerrung auch gut eine typische Kissenverzerrung bemerken.

Die eigentlich parallelen Linien sind zum Bildmittelpunkt hin gekrümmt. Typisches Merkmal einer Weitwinkelaufnahme. Wieder ist die Objektivkorrektur das Hilfsmittel.

15_verzerrung.jpg

Die Korrektur erfolgt so: Zuerst die perspektivische Verzerrung entfernen. Dazu den Schieberegler für die vertikale Verzerrung so lange bewegen, bis die Kanten links und rechts parallel zum Rand sind. Jetzt nur noch die Kissenverzerrung korrigieren. Dazu den Schieberegler bei „Verzerrung entfernen” so lange nach links bewegen, das Bild also sozusagen „aufpumpen”, bis die oberen Fensterkanten gerade sind, man kann sich gut am Gitternetz orientieren.

Das Bild muss jetzt nur noch mit dem Freistellungswerkzeug zurechtgeschnitten werden.

16_entzerrt.jpg

Bei der Gebäudefotografie ist es ratsam, ausreichend Platz um das Hauptmotiv herum zu lassen, also einen Rand zu haben, wenn abzusehen ist, dass das Foto Verzerrungen aufweisen wird, die man hinterher korrigieren will. Bei der Objektivkorrektur wird das Bild gestaucht und teilweise in die Länge gezogen, was bei einem zu engen Bildausschnitt dazu führen kann, dass keine vernünftigen Bildproportionen mehr erreichbar sind, wenn man das Bild freistellt. Ist hingegen genügend Rand vorhanden, kann man nach der Objektivkorrektur mit dem Freistellungswerkzeug wieder einen passenden Bildausschnitt wählen, der dem Standardbildformat entspricht.

1 Kommentar » | Tutorial

Kapitel 5: Störenfriede im Bild

18. November 2008 - 11:13 Uhr

Das Bild hat jetzt eine bessere Belichtung, der Horizont ist gerade, aber ein paar Dinge stören immer noch: unten im Bild ragen zwei Bojen/Säulen ins Bild, knallrot auch noch und sie stören den Bildaufbau.

07_gerader_horizont1.jpg

Wie wird man diese Störenfriede los?

Es gibt im Prinzip drei Methoden: schon bei der Aufnahme darauf achten, dass keine störenden Elemente ins Bild ragen. Man kann z. B. ein wenig den eigenen Standpunkt ändern oder etwas stärker ins Motiv hinein zoomen.

Was aber, wenn das Foto geschossen und das Motiv nicht mehr erreichbar ist? Man hat jetzt noch zwei Möglichkeiten, die Störenfriede zu entfernen, die erste Möglichkeit: man kann mit dem Freistellungswerkzeug einfach einen Bildausschnitt ohne die Störenfriede wählen.

Nicht immer ist das Freistellungswerkzeug aber eine Option, man kann dann immer noch zum letzten Mittel greifen und versuchen, die störenden Elemente weg zu retuschieren. Photoshop bietet dafür zum Glück einige sehr mächtige Werkzeuge an, abgesehen vom Stempelwerkzeug, vor allem die Reparaturpinsel.

Was konkret gebraucht wird, hängt ganz vom Bild und von den störenden Elementen ab.

In unserem Beispiel ist es recht einfach, die beiden Bojen zu entfernen, da der Fluss ein eher amorphes Muster bildet, was sich leicht retuschieren lässt. Ich habe einfach das Stempelwerkzeug benutzt und so die Bojen retuschiert.

08_stoerenfried1.jpg

Soweit alles gut?

Noch nicht ganz. In der hier im Internet gezeigten Auflösung kann man den weiteren Störenfried nicht wirklich sehen, er befindet sich im Himmel, etwas rechts von der Bildmitte, ich habe ihn einfach mal eingekreist.

09_stoerenfried2.jpg

Um es deutlicher zu machen hier eine 100% Ansicht des Ausschnitts: jetzt kann man es besser sehen. Es befindet sich ein blasser, kreisrunder Fleck auf dem Bild.

 10_stoerenfried2b.jpg

Diese Flecken sind sicherlich so gut wie jedem Digitalfotografen schon mal begegnet. Es handelt sich um den gefürchteten Staub auf dem Sensor. Trotz automatischer Sensorreinigung in einigen Kameras, wird man dieses Übel nicht so schnell los und es hilft nur eine manuelle Reinigung des Sensors.

Zum Glück macht sich der Staub meist nur in hellen Bereichen des Bildes (also meistens im Himmel) und bei kleinen Blenden bemerkbar. Im Himmel lässt sich der Staubfleck auch gut entfernen, hierzu einfach den Bereichsreparatur-Pinsel benutzen, eine passende Pinselgröße auswählen, einmal auf den Staubfleck klicken und er ist weg.

Bei 100% Ansicht habe ich den Himmel gezielt abgesucht und tatsächlich noch einen Fleck am rechten Bildrand gefunden und diesen ebenfalls entfernt.

 11_fertigkorrigiert.jpg

Das fertig bearbeitete Bild. Nicht gerade ein Top-Foto, aber zumindest schon nutzbar.

Kommentieren » | Tutorial

Kapitel 4: Alles krumm und schief!

17. November 2008 - 11:08 Uhr

Das Foto vom Hamburger Hafen sieht jetzt zwar schon deutlich besser aus als vorher, aber einiges stimmt immer noch nicht. Es fällt sofort auf, dass z. B. der Horizont eindeutig schief ist. Ein schiefer Horizont ensteht sehr schnell. Wenn man nicht das Glück hat, eine Kamera zu besitzen, die ein Hilfsgitter im Sucher einblenden kann, ist es für viele Fotografen schwer, die Kamera beim Auslösen genau gerade zu halten. Zum Glück bietet Photoshop ein einfaches Werkzeug, um den schiefen Horizont zu korrigieren.

Begradigung des Horizonts:

1. Bild öffnen

2. Das Linealwerkzeug aktivieren. Es verbirgt sich in der Werkzeugleiste hinter der Pipette. Einfach bei gedrückter linker Maustaste die Palette aufklappen und das Lineal aktivieren.

3. Jetzt mit dem Lineal eine gerade Linie den Horizont entlang ziehen. Wahlweise kann man bei anderen Bildern z.B. auch die Kante eines Gebäudes entlang ziehen, je nachdem, was im Bild gerade sein soll, egal ob waagerecht oder senkrecht.

4. Nachdem man die Linie gezogen hat geht man ins Bildmenü, wählt dort „Arbeitsfläche drehen” aus und dort dann den Punkt „Per Eingabe”. Das Lineal hat Photoshop mitgeteilt, wie der Drehwinkel sein muss, damit das Bild gerade ausgerichtet wird. Im Menü, das erscheint, ist also bereits der richtige Winkel vollautomatisch eingetragen worden. Man muss deshalb nur noch „Ok” drücken.

5. Jetzt nur noch das Bild zurechtschneiden.

07_gerader_horizont.jpg

So sieht das Bild nach den bisherigen Änderungen aus

Bei Retuschearbeiten vorher eine neue, leere Ebene erstellen und auf der leeren Ebene retuschieren. Dazu muss in den Werkzeugoptionen „Alle Ebenen aufnehmen” aktiviert sein. Diese Methode hat den Vorteil, dass das Originalbild erstmal nicht verändert wird und man bei einem Retuschefehler u. U. nicht das Bild neu laden muss, sondern den Fehler einfach mit dem Radiergummi wegradieren kann.

Kommentieren » | Tutorial

Kapitel 3: Wenn Fotos unterbelichtet sind

14. November 2008 - 12:35 Uhr

In diesem Beispielfoto gibt es etliche Fehler, es wird uns die nächsten Tipps über begleiten.

03_unterbelichtung_vorher1.jpg

Beschäftigen wir uns zuerst mit der Unterbelichtung. Hier hat die automatische Belichtungseinheit der Kamera sich am Himmel orientiert, was dazu führte, dass das Bild als solches viel zu dunkel ist.

Korrektur der Unterbelichtung:

1. Bild öffnen

2. Von der Hintergrundebene mit STRG+J eine Kopie anfertigen und die kopierte Ebene mit einem Mausklick aktivieren.

3. Das „Tiefen/Lichter“ Werkzeug im Bildanpassungsmenü öffnen. Man muss jetzt ein wenig mit den Werten spielen, die Schatten heller machen, die Lichter eventuell wieder etwas dunkler, vielleicht auch die Tonbreite variieren. Einfach ein wenig herumexperimentieren, bis das Resultat soweit erstmal zufriedenstellend ist. Sollte man einmal völlig unzufrieden mit dem Resultat sein, einfach die kopierte Ebene wieder löschen und eine neue Kopie der Originalhintergrundebene erstellen.

4. Falls einem der Kontrast noch nicht gefällt, kann jetzt eine neue Einstellungsebene „Gradationskurven“ erstellt werden (die Einstellungsebenen verbergen sich hinter dem schwarz/weißen Kreis in der Ebenenpalette), falls man eine ältere Version von Photoshop ohne Einstellungsebenen besitzt. Ansonsten die Gradationskurven direkt über das Bildanpassungsmenü aufrufen. Hier jetzt im oberen rechten Quadranten die Linie ein wenig nach oben und im unteren linken Quadranten die Linie etwas nach unten ziehen, bis man eine schwache S-Kurve hat. Der Kontrast ist jetzt deutlicher.

04_unterbelichtung_kurve_linear.jpg    05_unterbelichtung_s-kurve.jpg

5. Wenn das Bild jetzt immer noch merkwürdig blass erscheint, erstellt man eine weitere Einstellungsebene „Farbton/Sättigung“ (oder öffnet den Befehl direkt aus dem Menü) und erhöht den Regler für die Sättigung, bis man zufrieden ist. Aber nicht übertreiben, weil sonst schnell wieder Artefakte auftreten können. Das Bild wirkt jetzt deutlich besser belichtet als vorher, auch die Farben sind kräftiger geworden. Es gibt natürlich noch weitere sichtbare Bildfehler, die wir in den nächsten Kapiteln beheben werden.

 06_unterbelichtung_nachher.jpg

Für Anpassungen wie Farbton/Sättigung, Gradationskurven oder Tonwertkorrektur möglichst Einstellungsebenen verwenden. Diese haben den Vorteil, dass sie die Originalpixel des Fotos nicht verändern, und dass man zu jedem Zeitpunkt die Einstellungen der verschiedenen Effekte ändern kann (durch einen Doppelklick auf die Einstellungsebene). Dies ist nicht möglich, wenn man die identischen Bildanpassungen direkt auf das Bild anwendet. Man sollte die Originalpixel unangetastet lassen und erst zum Schluss, wenn man wirklich zufrieden ist, die Ebenen zusammenführen.

Kommentieren » | Tutorial

Kapitel 2: Wenn Fotos überbelichtet sind

13. November 2008 - 11:43 Uhr

Über- und Unterbelichtungen können recht schnell auftreten, und zwar immer dann, wenn die automatische Belichtungsmessung der Kamera durch gleichzeitig auftretende helle und dunkle Bereiche des Bildes verwirrt wird. Hier haben wir ein typisches Beispiel einer Überbelichtung: im Bild haben wir den recht hellen Himmel, die grünen Bäume und die tiefen Schatten in den Bäumen.

Einmal bei der Aufnahme nicht aufgepasst und schon hat die automatische Belichtungsmessung sich an den Schatten unter den Bäumen orientiert, was dazu führt, dass das Bild an sich total überbelichtet ist. Was wir hier haben ist zu Demonstrationszwecken ein Extrembeispiel, oft wird die Fehlbelichtung nicht so groß sein.

01_ueberbelichtet.jpg

Ausgangsbasis: Ein Überbelichtetes Bild 

Korrektur der Überbelichtung:

1. Bild öffnen

2. Die Hintergrundebene mit dem Tastenkürzel STRG+J duplizieren, ansonsten verbirgt sich der Befehl dafür im Menü „Ebene” und dort dann unter „Ebene duplizieren”

3. Die duplizierte Ebene aktivieren (einmal den Namen anklicken) und dann in der Ebenenpalette den Kopiermodus (das DropdownMenü links in der Palette) von „Normal” auf „Multiplizieren” ändern. Nicht erschrecken, wenn das Bild jetzt ggf. plötzlich viel zu dunkel sein sollte!

4. Jetzt einfach die Transparenz der multiplizierten Ebene ändern, bis man den gewünschten Nachbelichtungseffekt hat. Man kann jetzt die beiden Ebenen mit STRG+E zusammenführen.

5. Falls die schattigen Bereiche im Bild jetzt zu dunkel sind, das Werkzeug „Tiefen/Lichter” starten, man findet es im Menü „Bild”, dann „Anpassungen” und dort „Tiefen/Lichter”. Hier die erweiterten Optionen aktivieren. Für Tonbreite und Radius kann man als Startwerte sowohl bei Tiefen als auch Lichter 50 px und 100 px eingeben. Die anderen Optionen bleiben unverändert. Dann bei den Tiefen allmählich die Stärke anheben. Man sieht, dass nur die schattigen Bereiche heller werden. Falls auch andere Helligkeitsbereiche betroffen sind, einfach die Tonbreite reduzieren.

02a_belichtung_korrigiert_tiefenlichter.jpg

Man kann jetzt auch noch versuchen, die hellen Bereiche etwas dunkler zu machen, indem man bei den Lichtern die Stärke erhöht. Aber Vorsicht! Gerade bei 8 Bit JPEGs kommen hier sehr schnell hässliche Artefakte, weil man versucht, Bildinformationen zu restaurieren, die nicht mehr vorhanden sind. Gerade bei diesem Bild hätte das RAW-Format deutlich geholfen.

6. Falls einem die Farben jetzt zu kräftig sind (was beim Multiplikationsmodus passieren kann) einfach die Farbsättigung des Bildes ein wenig verringern.

02_belichtung_korrigiert.jpg

Und so sieht das Bild nach der Bearbeitung aus…

1 Kommentar » | Tutorial

Die häufigsten Fehler in der digitalen Fotografie – und wie man sie beheben kann (1)

12. November 2008 - 12:57 Uhr

 fotograf_titel1.jpg

Wer sich heutzutage eine digitale Spiegelreflexkamera zulegt, hat ein mächtiges Werkzeug zur Hand. Das volle Potential entfalten digitale Bilder aber meist erst nachdem sie bearbeitet wurden. Der Weißabgleich der Kamera hat sich geirrt und das Bild hat einen Farbstich? Man hat mit Über- und Unterbelichtungen zu kämpfen? Die Farben wirken viel blasser als im Original? Das sind Malheure, die nachträglich in Photoshop korrigiert werden können. Dies ist vor allem dann nützlich, wenn es sich um ein Motiv handelt, das nicht neu fotografiert werden kann. Und es hilft natürlich auch mehr Bilder zu verkaufen!

Mit diesem Tutorial wollen wir die 10 häufigsten Bildfehler die unserer Fotoredaktion beim Sichten der Bilder immer wieder auffallen zeigen und natürlich erläutern wie man diese vermeiden oder nachträglich beseitigen kann. Das Tutorial hat 10 Kapitel die nacheinander im Blog eingestellt werden. Sie können sich das Tutorial aber in Kürze auch als PDF-Version von unserer Startseite www.zoonar.de laden, wenn Sie im linken Menue auf “Hilfe” klicken und dann auf “Tutorials”. Das Tutorial kann kostenlos weitergereicht werden. Webseiten und andere Medien können das Tutorial zum Selbstkostenpreis erhalten und veröffentlichen. Bei Interesse schreiben Sie bitte eine Mail an: mkrabs@zoonar.com

Kapitel 1. Die volle Power der Kamera ausnutzen

Kommen wir auch gleich zum ersten Tipp: nicht im JPEG-Modus fotografieren! Moderne digitale Spiegelreflexkameras arbeiten meist mit einer Farbtiefe von 12 oder 14 Bit pro Kanal, ein JPEG-Bild hingegen hat eine Farbtiefe von lediglich 8 Bit pro Kanal. Was bedeutet das konkret? Eine DSLR (die Abkürzung steht für den englischen Begriff „Digital Single Lens Reflex” oder eben Digitale Spiegelreflexkamera) ist in der Lage, deutlich mehr Helligkeitsunterschiede pro Kanal Rot, Grün und Blau aufzunehmen, als ein JPEG-Foto darstellen kann. Hierzu etwas Mathematik: 8 Bit pro Kanal im JPEG bedeuten 256 Helligkeitsgrade (28 eben), also 256 Helligkeitsgrade jeweils im roten, blauen und grünen Kanal, zusammen sind das 256×256x256 Farben oder knapp 16,7 Millionen Farben. Das ist gleichzeitig auch die maximale Farbauflösung moderner Monitore.

Eine DSLR mit 12 Bit Farbtiefe schafft hingegen 4096 (212) Helligkeitsunterschiede pro Kanal, das macht 4096×4096x4096 bzw. knapp 68,7 Milliarden mögliche Farben. Bei 14 Bit wird der Unterschied noch eklatanter, 14 Bit entsprechen 214 möglichen Helligkeitsstufen pro Kanal, also 16384×16384x16384 bzw. knapp 4,4 Billionen Farben, die möglich sind.

Die Zahlenwerte muss man sich nicht merken. Was man sich merken sollte ist, dass eine DSLR, wenn sie im JPEG-Modus aufnimmt, intern zuerst in voller Farbauflösung fotografiert und dann ebenso intern das Bild ins JPEG-Format umwandelt. Aus den Milliarden oder gar Billionen Farben, die die Kamera aufgenommen hat werden 16,7 Millionen. Wie unschwer zu erkennen ist, geht hierbei eine Unmenge an Information verloren, Informationen, die sich als sehr nützlich erweisen können. Man kann diese zusätzlichen Farben am Monitor nicht sehen, diese können nur jene 16,7 Millionen Farben darstellen, warum also die Mühe?

Fotografiert man im RAW-Modus der Kamera, speichert also die original 12 bzw. 14 Bit Bilder, ist der Spielraum für die Nachbearbeitung sehr viel größer. Abgesehen davon, dass das RAW-Format einem die volle Kontrolle über die digitale Entwicklung der Fotos bietet (so kann man nachträglich den Weißabgleich ändern und viele andere Parameter bequem variieren), sorgt die zusätzliche Farbtiefe dafür, dass Unter- und Überlichtungen z.B. sehr viel besser korrigiert werden können. Bei einem 8 Bit JPEG stößt man hier relativ schnell an die Grenzen des Machbaren. Beim Aufhellen der Schatten tauchen bald Artefakte auf und es rauscht recht stark. Ist der Himmel überbelichtet und will man ihn dunkler machen, tauchen ebenfalls schnell Artefakte auf. Hier zeigt sich dann der Vorteil der großen Farbtiefe. Es ergibt sich sehr viel mehr Handlungsspielraum, wenn es darum geht, die Belichtung nachträglich anzupassen, da eben nicht nur jene 256 Helligkeitsstufen pro Kanal verfügbar sind, sondern 4096 oder gar 16384.

Die erste Regel lautet also: wenn man nicht gerade Sportreporter ist, der mitunter nur wenige Minuten Zeit hat zwischen der Aufnahme des Fotos und der E-Mail an die Agentur, sollte man immer im RAW-Modus arbeiten, zumindest dann, wenn die Fotos wichtiger sind und nicht nur Schnappschüsse vom Urlaub oder den Verwandten. Man muss nämlich Zeit mitbringen, um aus RAW-Fotos JPEGs zu erzeugen, die die Agenturen verlangen. Die zusätzliche Mühe lohnt sich aber, vor allem wenn man nicht unter kontrollierten Bedingungen im Studio fotografieren kann und in der Stadt oder in der Natur unterwegs ist.

alpenblog12.jpg

alpenlandschaftblog2.jpg

9 Kommentare » | Tutorial