Archiv für Oktober 2010


Im Bann der Fischadler

27. Oktober 2010 - 12:35 Uhr

Foto: Gerhard Schulz, Zoonar-Bildnummer: 189697

Fischadler sind auf fast allen Erdteilen beheimatet. Sie leben in Wassernähe und sind die einzigen Greifvögel, die sich auf Fische spezialisiert haben. Einzigartig ist ihre Fangmethode: Fischadler stehen rüttelnd über der Wasseroberfläche in einer Höhe von bis zu 60 Metern, visieren einen Fisch an und stürzen sich dann mit angelegten Flügeln pfeilschnell in die Tiefe. Kurz vor der Wasseroberfläche werden die Fänge vorgesteckt und der Fisch unter Wasser ergriffen. Das ganze passiert in Sekundenschnelle und mit äußerster Präzision. Atemberaubend!

Foto: Gerhard Schulz, Zoonar-Bildnummer: 189782

Foto: Gerhard Schulz, Zoonar-Bildnummer: 189781

Gerhard Schulz hat die jagenden Adler häufig an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns beobachtet. Die spektakulären Jagdszenen zu fotografieren – das wär’s! Doch die Tiere waren zu weit entfernt und auch mit modernster Optik nicht groß genug ins Bild zu bekommen. Erst in Florida, ergab sich eine unerwartete Chance: Es war bereits der dritte Besuch von Schulz im Sonnenstaat. Die riesigen Everglades-Sümpfe, ausgedehnte Mangrovenwälder und daran angrenzende Wüstengebiete bieten unterschiedlichsten Tieren Lebensraum. Auch der Fischadler ist an der Küste häufig.

Bei einem Besuch in Fort Meyers Beach sah Schulz dann einen Adler, der sich etwa 80 Meter entfernt vom Strand ins Wasser stürzte und mit einem großen Fisch Richtung Horst flog. Und wieder dachte der Hamburger für sich: “Das wären Bilder!” Als er den Strand genauer unter die Lupe nahm, stellt er fest, dass man weit ins Wasser hinein noch stehen konnte. Ein flacher Sandbankstrand, noch dazu abgelegen und menschenleer! Gerhard Schulz war Feuer und Flamme. Alle anderen Fotoprojekte wurden augenblicklich verschoben. Er besorgte sich einen Neoprenanzug, spezielle Stative und Schutzfolien damit das Salzwasser nicht die teure Ausrüstung zerstören konnte. Von nun an stand Schulz drei Wochen lang von Morgens bis Abends im Wasser und wartete auf die Jagdzüge der Adler. Bald hatten sich die majestätischen Vögel an den merkwürdigen Zweibeiner gewöhnt und verloren ihre Scheu. Gerhard Schulz konnte die Jagd der Raubvögel im Detail fotografieren.

Foto: Gerhard Schulz, Zoonar-Bildnummer: 189755

Foto: Gerhard Schulz, Zoonar-Bildnummer: 189762

Doch es kam noch besser: Schulz stellte fest, dass es sich um ein Adler-Pärchen handelte, das nicht weit entfernt vom Strand seinen Horst hatte. Von einem Baum aus, konnte er dann auch noch die Aufzucht der Jungen dokumentieren. Einmalige Bilder!

Foto: Gerhard Schulz, Zoonar-Bildnummer: 189855

Erst nachdem Gerhard Schulz rund 50 Filme (!) entwickelt und begutachtet hatte und genau wusste, dass alle entscheidenden Szenen gelungen waren, setze er seine ursprüngliche Reise durch Florida fort. Obwohl ihm jetzt nur noch zwei Wochen blieben, kamen ihm noch erstaunliche Tiere vor die Linse.

Florida ist für Gerhard Schulz fast schon eine zweite Heimat geworden. Die vielfältige Natur, das angenehme Klima und nicht zu guter Letzt die Fischadler locken den Hamburger Fotoprofi immer wieder in den Sonnenstaat an der Westküste Amerikas und sorgen dafür, dass er trotz seines Wohnsitzes in Hamburg mittlerweile zu den bekanntesten Amerika-Fotografen zählt.

Gerhard Schulz

Der Wandsbeker stöberte schon als Kind in Tierzeitschriften und Naturbüchern, doch erst eine Reise nach Kenia 1987 gab ihm den Anstoß, das Erlebte mit dem Fotoapparat festzuhalten. Seitdem fotografiert er frei lebende Tiere, wild wachsende Pflanzen und Naturlandschaften, vornehmlich in deutschen Nationalparks, aber auch in ganz Europa und den USA.

Text: Michael Krabs

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Wo Elefanten zu Zwergen werden

20. Oktober 2010 - 15:52 Uhr

Stephan Tüngler im Mana Pools National Park, Simbabwe

Die Elefanten im Mana Pools National Park haben eine Lieblingsspeise für die sie alles tun würden: Die nahrhaften Früchte der Akazienbäume. Man sieht sie häufig unter den gewaltigen Bäumen, wo sie nach den Leckerbissen Ausschau halten. Doch die meisten Früchte wachsen selbst für die großen Dickhäuter zu hoch. So scheint es zumindest.

Foto: Stephan Tüngler, Zoonar-Bildnummer: 75926

Während seiner Fototour durch Simbabwe sah Stephan Tüngler einen Elefanten der sich auf die Hinterbeine stellte, um an die Früchte zu gelangen. Leider war der Elefant zu weit entfernt. Tüngler folgte dem Koloss auf Schritt und Tritt, in der Hoffnung, dass dieser seine akrobatische Meisterleistung wiederholen würde. Und tatsächlich: Nach einigen Minuten erhob sich der starke Bulle erneut auf seine Hinterbeine. Er reckte seinen langen Rüssel genau an der richtigen Stelle in die Höhe, um einige von den leckeren Früchten zu ergattern. Unter den mächtigen Akazien wirkte der Gigant wie ein Zwerg in einer Märchenwaldszenerie. Dieses Mal hatte Tüngler die Kamera parat: Ein wunderbares Bild!

Der Mana Pools National Park in Simbabwe ist vielleicht der einzige Ort auf der Welt, in dem ausgewachsene Elefanten wie Zwerge wirken können. In dem etwa fünf Kilometer breiten Waldstreifen entlang des Sambesi Flusses wachsen gigantische Akazienbäume, dicht an dicht. Da lohnt sich das “Männchen machen”. Doch nur die großen und schweren Bullen haben überhaupt eine Chance an die frischen Früchte zu gelangen. Sie bringen bis zu 7 Tonnen auf die Waage und man kann sich kaum vorstellen, dass sie sich damit auf zwei Beinen halten können. Doch sie tun es mit spielerischer Leichtigkeit! Was tut man nicht alles für einen Leckerbissen!

Stephan Tünglers Afrika-Bilder zeichnen sich durch eine besonders farbenreiche Optik und ungewöhnliche Perspektiven aus.

Stephan Tüngler

Stephan Tüngler (39) wohnt in Hamburg und hat vor 8 Jahren professionell mit der Naturfotografie begonnen. Im Zentrum seiner fotografischen Arbeit steht in den letzten Jahren die Tierfotografie in den Ländern des südlichen Afrikas. Dafür ist er mehrmals im Jahr in dieser Region der Erde für Fotoprojekte unterwegs. Seit 3 Jahrren gibt er seine Erfahrung weiter und ist zudem Organisator von Natur- und Fotoreisen speziell ins südliche Afrika. Mehr Infos dazu im Internet unter www.inafrica.de und www.tuengler.com

Text: Michael Krabs

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TEIL 3: Falscher Fokus / Starke Bildbearbeitung / Kunstfilter

12. Oktober 2010 - 14:10 Uhr

Ablehnungsgrund: Unschärfe des Hauptmotivs

Manchmal passiert es, dass zwar irgendetwas im Bild scharf ist, aber leider nicht das was scharf sein müsste. Klassische Beispiele sind z.B. Personenaufnahmen, bei denen Mund oder Nase scharf sind, aber leider die Augen nicht. Oder Blumenbilder, bei denen nicht der Stempel bzw. die Mitte scharf ist, sondern ein Blütenblatt weiter außen.

Beispiel:

Der 100% Bildausschnitt dieses Bildes offenbart, dass der Fokus nicht auf der Praline liegt, sondern auf den Streuseln im Hintergrund. Das Bild ist nicht per se unscharf, es wurde nur nicht auf das Hauptmotiv scharfgestellt, sondern auf umliegende Details. Auch wenn es am Ende eine subjektive Entscheidung ist,  solche Bilder werden meist abgelehnt!

Um eine Ablehnung zu vermeiden, sollten Sie die Autofokusmessfelder der Kamera manuell auswählen und gezielt auf das scharfstellen, was eine zentrale Rolle spielt. Der vollautomatische Fokus der Kamera stellt leider nicht immer auf das scharf, was scharf sein sollte. Bedenken Sie auch die Effekte einer potenziell sehr geringen Schärfentiefe bei Nahaufnahmen. Diese kann unter Umständen nur wenige Millimeter betragen, aber kleinste Bewegungen der Kamera oder des Motivs führen dazu, dass Unschärfe an den falschen Stellen auftaucht. Das Umstellen auf manuelle Fokusmesspunktauswahl ist in der Regel einfach gehalten, meist befindet sich dafür ein Knopf auf dem Gehäuse. Um negative Effekte von Bewegungen der Kamera zu minimieren, sollten Sie ein Stativ verwenden oder aber den kontinuierlichen Autofokus aktivieren. (Lesen Sie dazu *TEIL 2: Ablehnungsgrund: Unschärfe* in dem ausführlich auf das Thema Bildschärfe, manuelle Fokusmesspunktauswahl und Schärfentiefe eingegangen wird)

Ablehnungsgrund: Starke Bildbearbeitung und Kunstfilter

Wann genau ist ein Bild zu stark bearbeitet?

Bilder sind immer dann zu stark bearbeitet, wenn das Foto mit Hilfe von Filtern, Effekten und anderen Bearbeitungsmethoden so sehr verfremdet und verändert wurde, dass es keine Natürlichkeit mehr besitzt.

Bedenken Sie auch: Microstockfotografie ist Gebrauchsfotografie. Hierbei werden z.B. Bilder einer zwischenmenschlichen Begegnung, eines Hauses, einer Landschaft oder einer bestimmten Blume benötigt – Microstockfotografie ist keine Kunstfotografie. Je weniger nachträgliche Bildbearbeitung umso höher die Nachfrage und der Verkauf.

Beispiel 1:

Das Bild wurde mit einem Kunstfilter in Photoshop bearbeitet. Die Nachfrage ist sehr gering.

Beispiel 2:

Dieses Blumenbild ist ebenfalls zu stark nachbearbeitet worden. Diverse Kunst- und Malfilter in Photoshop haben das Bild einer Zeichnung ähnlicher gemacht. Im Microstock wird aber nicht Fine Art verkauft, sondern Gebrauchsbilder – weshalb Bilder wie dieses dann meistens abgelehnt werden.

All das bedeutet nicht, dass verfremdete oder stark bearbeitete Bilder gar keine Chancen haben, sie sollten bloß nach wie vor kommerziell einsetzbar sein und nicht aus purem Selbstzweck an der Kunst bearbeitet werden. Im Zweifelsfalle laden Sie Ihre verfremdeten und stark bearbeiteten Bilder hoch. Überlegen Sie vorher nur, warum Sie die Bilder stark bearbeiten müssen und ob es im Microstock dafür einen Markt gibt. Sowohl das Holstentor als auch die Blume müssen nicht verfremdet werden. Die Bilder oben würden bei Zoonar abgelehnt werden.

Wieviel Bildbearbeitung darf sein?

Exzessives Nachschärfen und Nachsättigen ist auch hier des Guten zu viel. Gehen Sie mit Schärfe sehr, sehr sparsam um und kompensieren Sie nur die leichte Unschärfe des Bildsensors. Hierzu reicht, beim Unscharf Maskieren oder auch im Selektiven Scharfzeichner, eine Stärke von 80% und ein Radius von 0,1-0,3 vollkommen aus.
Wenn Sie zu sehr nachschärfen, entstehen sog. *Halos* um die Objektkanten und dies führt dann unweigerlich zu einer Bildablehnung!
Auch vor zu viel Sättigung sollten Sie Abstand nehmen. Bonbonbunte Bilder werden selten nachgefragt.

Beispiel 3 (übertrieben dargestellt):

Das Foto wurde mit Radius 25 bei einer Stärke von über 300% nachgeschärft, anschließend wurde alles „schön bunt“ gemacht. Das Foto wurde damit kaputt bearbeitet und ist so nicht mehr zu gebrauchen, zumindest nicht im Microstock! Wie *Halos* bei exzessiver Nachschärfung aussehen, können Sie auf dem Bild gut erkennen: der „Heiligenschein“ ist natürlich nicht immer so ausgeprägt wie hier, sondern zeigt sich, wie viele andere Effekte auch, am besten bei 100% Bildansicht. Kontrollieren Sie Ihre Nachschärfung unbedingt bei 100% Bildansicht!

Zum Schluss dieses Abschnitts noch ein paar Worte zu HDR-Fotos. HDR steht für „High Dynamic Range“ und bezeichnet Fotos mit höherem Kontrastumfang als dies aus der Kamera direkt möglich ist. Hierzu werden unterschiedlich belichtete Fotos eines Motivs per Software kombiniert. In den letzten Jahren hat HDR-Fotografie enorm an Popularität gewonnen.
Nun sind aber gerade HDR-Fotos oft auch ein zweischneidiges Schwert. Sorgsam und vernünftig eingesetzt, kann ein HDR-Foto lebendiger und kontrastreicher wirken als eine normale Aufnahme aus der Kamera. Wird das Ganze jedoch bei der Bearbeitung übertrieben, können HDR-Fotos unrealistisch bunt und zu kontrastreich wirken. Vor allem sollten bei HDR-Fotos die *Halos* vermieden werden.

HDR sollte kein Selbstzweck und Gimmick sein. Zoonar verkauft zwar diverse Motive, aber allzu künstlich wirkende HDR-Bilder haben schlechtere Verkaufschancen.

Beispiel 4 (viel zu starke Bearbeitung):

Unabhängig von den viel zu grellen Farben und übertriebenen Kontrasten, weist das Foto ein starkes Bildrauschen im Himmel auf und das Gras vor dem Holstentor zeigt etliche Artefakte.

Beispiel 5:

Der Himmel weist nicht nur Artefakte auf, sondern an den Objektkanten sind teilweise Farbsäume und *Halos* zu sehen.

Diese Fotos werden wegen zu starker Bearbeitung abgelehnt!

HDR-Fotos sollten nicht nach HDR-Fotos aussehen!

Dieses Foto entstand aus folgenden drei Bildern:

TIPP: Verfremden und bearbeiten Sie Ihre Bilder nicht zu stark. Vor allem wenn die Bearbeitung reiner Selbstzweck ist. Bedenken Sie den Markt, den eine Microstockagentur abdeckt! Es werden Gebrauchsfotos verlangt.

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