28. September 2010 - 17:26 Uhr
Sie können die Ablehnungsquote deutlich verringern, wenn Sie am heimischen Rechner eine vernünftige Vorauswahl der Fotos treffen. Überprüfen Sie Ihre Fotos auf Unschärfe, Bildrauschen und Sensorflecken und achten Sie auf die Farbbrillanz, denn graue und farblose Bilder werden meistens abgelehnt. Bedenken Sie, dass jedes Foto, das Sie hochladen, Ihnen ebenfalls Zeit kostet und dass Sie unter Umständen vorher schon Fotos verschlagwortet haben – all diese Arbeit ist umsonst, wenn die Bildprüfer bei Zoonar Ihre Fotos ablehnen.
Der erste und einfachste Schritt ist demnach, dass Sie eine vernünftige Vorauswahl der Fotos treffen, ehe Sie mit dem Verschlagworten oder Hochladen beginnen.
Zur Vorauswahl eignet sich im Prinzip jedes Programm, das eine 100% Ansicht der Fotos erlaubt. Das kann die Windows-Fotogalerie sein oder ein Programm wie Adobe Lightroom. 100% Ansicht bedeutet, dass das Foto am Monitor in der tatsächlichen Pixelgröße und nicht irgendwie verkleinert dargestellt wird.
Einer der häufigsten Ablehnungsgründe, die Unschärfe, lässt sich oft nur bei 1:1 Ansicht des Fotos beurteilen. Ein weiterer, sehr häufiger Ablehnungsgrund, das Bildrauschen, macht sich häufig erst bei 100% Ansicht am Monitor bemerkbar.
Es reicht also nicht, die Fotos in der Bildübersicht, in der nur kleine Vorschaubilder angezeigt werden, zu sichten und jene herauszupicken, die hübsch aussehen. Die Bildredaktion wird Ihre Fotos bei 100% Ansicht, am kalibrierten Monitor, sichten und das als Vorschaubild so tolle Foto des seltenen Nashorns, von der Safari in Afrika, entpuppt sich unter Umständen als völlig unscharf oder verrauscht und wird abgelehnt.
Hierzu zwei Beispiele

Sowohl der Orang Utan als auch die Katze sehen in der typischen Thumbnailansicht gut aus. Bei dieser sehr kleinen Bildgröße ist das allerdings auch zu erwarten.
Hier nun die etwas größere Ansicht


Auch bei dieser Größe, 600 x 400 Pixel, sehen beide Fotos eigentlich noch gut aus und technisch einwandfrei.
Die ganze Wahrheit zeigt sich erst bei
tatsächlicher Größe, also 100% Ansicht

Der ehemals so scharf aussehende Orang Utan offenbart Bildunschärfe und dazu auch ein paar leichte Artefakte. Das Bild des Orang Utan würde vom Bildprüfer abgelehnt werden.
Wie sieht es bei der Katze aus?

Bei 100% Ansicht zeigen sich das schlimme Bildrauschen und die Artefakte, man hat hier eigentlich nur noch Pixelmatsch – dieses Bild würde damit ebenfalls abgelehnt werden.
Als Grundregel sollten Sie sich folgendes merken:
Betrachten Sie Ihre Bilder bei 100% am Monitor und sortieren Sie schon im Vorfeld all jene aus, die unscharf sind, rauschen oder andere technische Mängel aufweisen.
Beachten Sie auch, dass Ihr Uploadvolumen direkt von Ihrer Ablehnungsquote abhängt. Ist Ihre Quote hoch, kann es dazu führen, dass Ihr Uploadvolumen reduziert wird. Ist Ihre Ablehnungsquote niedrig, und gefallen Ihre Bilder, so wird Ihr Uploadvolumen schnell hochgesetzt. Es liegt in Ihrer Hand, wieviel Bilder Sie am Tag hochladen können!
Es folgt nun eine Liste aller Zoonar-Ablehnungsgründe und was Sie tun können, um die Fehler im Vorfeld zu vermeiden bzw. zu beheben.
Ablehnungsgrund: Unschärfe
Bildunschärfe ist einer der häufigsten Ablehnungsgründe. Und Bildunschärfe kann nachträglich, selbst durch gute Software, nicht mehr behoben werden. Ein unscharfes Bild bleibt unscharf, egal was Sie versuchen.
Deshalb ist es, beim Thema Bildschärfe, enorm wichtig, bereits beim Fotografieren darauf zu achten, scharfe Bilder zu produzieren. Mit ein wenig Übung und etwas Hintergrundwissen ist das ganz einfach!
Ein entscheidender Faktor bei der Bildschärfe ist die Belichtungszeit. Je länger die Belichtungszeit, desto größer ist die Gefahr, dass der Fotograf die Kamera nicht mehr lange ruhig halten kann und die Aufnahme verwackelt. Hinzu kommt, dass auch bewegte Motive durch Bewegungsunschärfe unscharf werden. Wie lang die Belichtungszeit sein muss, damit Bilder nicht verwackeln, hängt von der benutzten Brennweite ab. Wenn Sie mit einem Teleobjektiv ganz dicht reinzoomen, verwackeln Sie viel schneller als wenn Sie mit einem Weitwinkelobjektiv eine Landschaft aufnehmen. Sie können dies schon im Sucher der Kamera erkennen. Ein herangezoomtes Motiv wackelt viel mehr als eine Panoramaansicht im Weitwinkel. Die Belichtungszeit bei bewegten Motiven hängt von der Entfernung zum Motiv und von der Geschwindigkeit des Motivs ab.
Faustregel: Um Verwackeln zu vermeiden, sollte die Belichtungszeit den umgekehrten Wert der Brennweite (multipliziert mit 1,6) nicht unterschreiten.
Beispiel: Sie benutzen eine Brennweite von 50 mm (die Brennweite ist auf dem Objektiv aufgedruckt und in Millimetern angegeben). Um sicherzugehen, dass Sie die Aufnahme nicht verwackeln, sollte die Belichtungszeit 1/80 Sekunde nicht unterschreiten.
Rechenbeispiel: 50 mm*1,6 = 80 (diese Zahl nun als Bruch schreiben), also: 1/80. Nun haben Sie die perfekte Belichtungszeit.
Diese sehr einfache Faustregel gilt für alle digitalen Spiegelreflexkameras mit APS-C Sensor. Dazu zählen fast alle digitalen Spiegelreflexkameras, mit Ausnahme der Modelle mit Vollformatsensor. In den meisten Fällen sind die digitalen Spiegelreflexkameras mit APS-C Sensor ausgestattet. Der APS-C Sensor ist etwas kleiner als das normale Kleinbildnegativ aus Analogzeiten. Nur wenige Profimodelle und einige semiprofessionelle Kameras haben einen Vollformatsensor. Dazu gehören z.B. die Canon 5d, Canon 5D MkII, Nikon D700, Nikon D3 oder auch Sony A-900
Für Vollformatkameras ist die Regel denkbar einfach: Um Verwackeln zu vermeiden sollte die Belichtungszeit den umgekehrten Wert der Brennweite nicht unterschreiten.
Achten Sie also beim Fotografieren darauf, welche Brennweite und Belichtungszeit Sie benutzen!
Die Belichtungszeit wird bei einer Spiegelreflexkamera direkt im Sucher angezeigt, hier allerdings wird dann nur die Zahl im Nenner des Bruchs angegeben, also wenn im Sucher „80“ im Feld der Belichtungszeit zu sehen ist, dann ist hier 1/80 Sekunde gemeint. „250“ wäre entsprechend 1/250 Sekunde usw. Wenn die Belichtungszeit länger wird, werden oft zwei Striche hinter der Zahl angezeigt: 1“ heißt dann 1 Sekunde.
Mit der Faustregel oben fahren Sie praktisch immer richtig, selbst dann, wenn Sie über eine Kamera oder ein Objektiv mit Bildstabilisator verfügen. Nur dass Sie hier dann deutlich mehr Reserven haben.
Einige Objektive (z.B. von Canon und Nikon) sowie manche Kameras (z.B. von Olympus, Pentax oder Sony) verfügen über Bildstabilisatoren. Diese sorgen dafür, dass man auch bei längeren Belichtungszeiten nicht so schnell verwackelt. So kann man u.U. bei 50 mm Brennweite statt der sonst geforderten 1/80 Sekunde auch mit 1/20 Sekunde auskommen, also unter idealen Bedingungen bis zu viermal länger belichten ohne zu verwackeln.
Wichtig: Bildstabilisatoren bekämpfen lediglich das Verwackeln des Bildes durch den Fotografen. Bewegte Motive werden dadurch nicht schärfer, im Zweifelsfalle sogar unschärfer, wenn man zu lange belichtet.
Bildstabilisatoren sind sicherlich nützlich, aber ihren großen Nutzen haben sie allein bei statischen Motiven. Also Landschaftsbildern und Gebäuden. Sobald Sie Menschen, Tiere oder bewegliche Objekte fotografieren nützt Ihnen ein Bildstabilisator wenig.
Was also tun bei bewegten Objekten? Hier gibt es mehrere Faktoren. Wie schnell bewegt sich das Objekt? Ist es ein Kleinkind, das durch die Gegend wetzt, eine Person, die eher ruhig im Stuhl sitzt, ein schnelles Rennauto oder ein Vogel?
Bei bewegten Objekten muss die Belichtungszeit entsprechend kurz sein. Wenn Sie mit 50 mm Brennweite fotografieren, reichen 1/80 Sekunde ganz sicher aus um nicht zu verwackeln. Diese 1/80 Sekunde ist allerdings zu lang, wenn Sie bewegte Objekte fotografieren möchten.
Genaue Werte können nicht genannt werden, da die Belichtungszeit bei bewegten Objekten direkt von der Geschwindigkeit und Motiventfernung abhängt. Wenn Sie Fußgänger scheinbar *einfrieren* wollen, versuchen Sie es mit 1/200 Sekunde. Fliegende Vögel müssen deutlich kürzer belichtet werden. Hier können Sie es mit 1/800 Sekunde probieren.
Wie kurz Sie belichten müssen hängt auch von der Entfernung zum Motiv ab! Je näher das Motiv an der Kamera ist, umso schneller verschwindet es aus dem Blickfeld. Demnach müssen Sie kürzer belichten, um das Motiv scharf einzufangen!
Machen Sie sich das Leben einfacher, indem Sie die Blendenautomatik Ihrer Kamera benutzen!
Was ist die Blendenautomatik? Auf dem Auswahlrad Ihrer Spiegelreflexkamera befinden sich Buchstaben und Symbole – die Blendenautomatik wird oft mit „Tv“ oder „S“ abgekürzt. Wenn Sie Ihre Kamera in diesen Modus versetzen, können Sie mit dem Auswahlrad die Belichtungszeit wählen und die Kamera benutzt vollautomatisch die passende Blende.
Arbeiten Sie bei bewegten Objekten mit der Blendenautomatik, denn hier kommt es auf die Belichtungszeit an! Nur so können Sie blitzschnell die Belichtungszeit anpassen.
Es kann vorkommen, wenn Sie eine kurze Belichtungszeit auswählen, dass der Blendenwert im Sucher plötzlich zu blinken beginnt oder Sie die gewünschte Zeit nicht einstellen können. Was bedeutet das? Wenn der Blendenwert zu blinken anfängt, kann die Kamera die gewünschte Belichtungszeit nicht mehr einstellen, soll heißen: die Blendengröße des Objektivs ist zu klein und lässt, bei den gegebenen Lichtverhältnissen, zu wenig Licht durch. Somit kann bei der gewünschten Belichtungszeit nicht korrekt belichtet werden. Wenn das passiert hilft nur eines: Sie müssen die ISO-Empfindlichkeit erhöhen.
Wenn Sie dies tun können Sie auch kürzere Belichtungszeiten realisieren. Passen Sie aber auf: höhere ISO-Werte führen irgendwann zu sichtbarem Bildrauschen. Bei modernen Spiegelreflexkameras ist ISO 800 meist noch problemlos, ältere Modelle hingegen können manchmal nur bis ISO 400 benutzt werden, ohne dass es zu sehr rauscht. Typische Kompaktkameras sollten nicht jenseits der ISO 100 benutzt werden.
Das Bildrauschen kann aber nachträglich angegangen werden, im Zweifelsfalle schrauben Sie also die ISO-Zahl hoch, um die geforderte Belichtungszeit zu erreichen. Ein unscharfes Foto ist unscharf und verloren, dagegen lässt sich ein leichtes digitales Bildrauschen einer digitalen Spiegelreflexkamera hinterher gut entfernen!
Einige Kameras bieten auch eine Auto-ISO Funktion. Nutzen Sie diese, um eine lange Belichtungszeit und höchste ISO-Empfindlichkeit vorzugeben, die Kamera wird dann den ISO-Wert automatisch, je nach Lichtverhältnissen, einstellen und Sie in Ihrer Arbeit entlasten. Schlagen Sie hierfür im Handbuch Ihrer Kamera nach. Nikonkameras haben z.B. eine exzellente Auto-ISO Funktion, während viele Canon-Modelle ohne diese Automatik auskommen müssen. Nicht jede Kamera kann also damit dienen.
Die ganze Gefahr der Verwacklung können Sie zusätzlich vermeiden, indem Sie ein Stativ verwenden. Leider sind Stative meist recht schwer, ziemlich sperrig und unhandlich zu transportieren. Trotzdem sind Stative unabdingbar, wenn Sie bei schlechten Lichtverhältnissen, z.B. bei Dämmerung oder nachts, fotografieren wollen. Hier reicht allein der beste Bildstabilisator nicht aus. Bei Dämmerung gelingen die schönsten Bilder, sei es ein gut beleuchtetes Gebäude oder eine Landschaft, Sie sollten nur folgende Regeln beachten:
- Verwenden Sie ein Stativ!
- Stellen Sie die Kamera auf den ISO-Grundwert ein (also z.B. ISO 100 bei Canon und ISO 200 bei Nikon), damit das Bild nicht unnötig verrauscht
- Schalten Sie einen eventuell vorhandenen Bildstabilisator aus, dieser sorgt sonst bei Aufnahmen vom Stativ ,unter Umständen, für künstliche Verwacklung
- Stellen Sie die Kamera auf den Selbstauslöser ein, wenn Sie Geld investieren möchten, besorgen Sie sich eine Fernbedienung oder einen Kabelauslöser für Ihre Kamera
- Stellen Sie scharf und betätigen Sie dann entweder den Selbstauslöser oder die Fernbedienung
- Auf KEINEN Fall sollten Sie die auf dem Stativ montierte Kamera anfassen, also nicht einfach normal auslösen. Berühren Sie weder das Stativ noch die Kamera, wenn der Selbstauslöser tätig ist oder Sie per Fernbedienung die Kamera auslösen
- Benutzen Sie – vor allem wenn Sie ein Teleobjektiv benutzen – die Spiegelvorauslösung (wie Sie die aktivieren, steht im Handbuch Ihrer Kamera)
Wenn Sie die obigen Schritte befolgen werden Ihre Stativaufnahmen nicht mehr so schnell verwackeln. Wenn Sie die Kamera mit Stativ benutzen, können, bei schlechten Lichtverhältnissen, selbst kleinste Erschütterungen schon zu unscharfen Bildern führen. In der Dämmerung und nachts sind es schnell mehrere Sekunden Belichtungszeit, die Verwacklungsgefahr ist hier enorm.
Deshalb sollten Sie die Kamera nur per Selbstauslöser oder Fernbedienung auslösen, jede noch so kleine Berührung kann das Bild ruinieren. Bei Teleobjektiven reicht manchmal nicht mal das, denn der Spiegelschlag, in der Kamera selbst, versetzt die Kamera in Schwingung (wenn Sie den Auslöser betätigen, klappt der Spiegel, der das Licht zum Sucher umleitet, hoch und macht den Weg fürs Licht frei, welches auf den Sensor trifft. Die Bewegung des Spiegels kann Unschärfe verursachen!) – Vibrationen lassen Teleobjektive mit ihrer langen Brennweite viel mehr wackeln als kurze Standardobjektive. Aktivieren Sie also in solchen Fällen die Spiegelvorauslösung. Hier klappt bei den meisten Kameramodellen der Spiegel nach dem Scharfstellen hoch, wenn Sie dann auslösen ist der Spiegel bereits hochgeklappt und mögliche Schwingungen der Kamera werden vermieden. Sie müssen den Auslöser also zweimal betätigen! Leider gibt es bei Nikon nicht die Möglichkeit, die Spiegelvorauslösung und den Selbstauslöser zu kombinieren, hier brauchen Sie dann zum Auslösen eine Fernbedienung (Infrarot oder Kabel, je nach Kameramodell). Es sei denn, Sie haben Geduld und möchten jeweils 30 Sekunden pro Aufnahme warten. Nach dieser Zeitspanne klappt nämlich der Spiegel automatisch wieder nach unten und es wird ausgelöst. Auf die Dauer kann das aber sehr zeitraubend sein.
Bisher wurde nur über Belichtungszeiten gesprochen. Für scharfe Bilder ist es ebenso wichtig auf den richtigen Bildbereich scharfzustellen.
Jede Kamera erlaubt es dem Fotografen manuell Fokusmessfelder auszuwählen. Sie dürfen dafür nur nicht im Vollautomatikmodus fotografieren (Auswahlrad auf das grüne Rechteck gestellt). Sobald Sie in einer der Halbautomatiken wie „P“ (Programmautomatik) „Tv“ bzw. „S“ (Blendenautomatik) oder „Av“ bzw. „A“ (Zeitautomatik) fotografieren, haben Sie gleichzeitig die Kontrolle über Ihre Fokusmessfelder.
Wie genau Sie die Auswahl der Messfelder ändern, entnehmen Sie bitte dem Handbuch Ihrer Kamera. Wichtig ist, dass Sie lernen, wie man den Fokus auf manuelle Messfeldauswahl umstellt und wie sie die einzelnen Messfelder Ihrer Kamera ansteuern können.
Beim vollautomatischen Fokus stellt die Kamera beliebig scharf, was für Schnappschüsse und einem aus der Hüfte geschossenen Gruppenfoto absolut ausreichend ist. Sollten Sie allerdings höhere Ansprüche haben oder die Agenturfotografie anstreben, dann ist die Selbstauswahl des Schärfepunktes unerlässlich.
Sie wollen z.B. einen Menschen fotografieren: hier ist es wünschenswert, dass die Augen scharf sind. Im Vollautomatikmodus kann es schnell passieren, dass die Nasenspitze scharf ist, oder vielleicht der Mund. Unscharfe Augen sind meist ein Ablehnungsgrund, denn der Betrachter eines Fotos achtet als erstes auf die Augen. Diese müssen den Betrachter ansprechen, wenn die Augen unscharf sind verliert das Bild an Wirkung!
Stellen Sie den Fokusmesspunkt also manuell ein!
Tipp: Wenn beim gewählten Bildausschnitt kein Fokuspunkt über dem Bereich verfügbar ist, der scharfgestellt werden soll, können Sie auch die Kamera leicht schwenken bis der gewählte Fokuspunkt über der Stelle liegt. Danach scharfstellen (Auslöser halb durchdrücken) und anschließend bei halb gedrücktem Auslöser wieder zurückschwenken, bis der gewünschte Bildausschnitt erreicht ist. Jetzt können Sie wie gewohnt auslösen. Dies funktioniert nur beim statischen Autofokus (oft „One Shot“ genannt), leider nicht im kontinuierlichen Autofokus, bei welchem die Schärfe ständig nachgeführt wird.
Wenn Sie Objekte in schneller Bewegung fotografieren wollen, sollten Sie die Fokusmethode ändern.
Bisher haben wir nur unbewegliche und statische Motive behandelt. Bei solchen ist auch der Fokus statisch. Einmal scharfgestellt, bleibt der Fokus normalerweise da wo er ist. Das nützt allerdings wenig, wenn Sie einen auf Sie zufliegenden Vogel fotografieren wollen oder ein Kind, das auf sie zugelaufen kommt.
Für solche Situationen bieten Spiegelreflexkameras den sog. kontinuierlichen Autofokus. Dieser fokussiert ständig neu und stellt auf sich bewegende Objekte konstant scharf, zumindest im Idealfall.
Wenn Sie also rennende Kinder, laufende Hunde, fliegende Vögel und Flugzeuge oder rasende Autos etc. fotografieren wollen, wechseln Sie vom statischen Fokus zum kontinuierlichen Fokus. Der kontinuierliche Fokus sollte immer dann eingesetzt werden, wenn sich Objekte auf Sie zu- oder fortbewegen. Verläuft die Bewegung dagegen parallel zu Ihnen (also von links nach rechts oder umgekehrt) reicht auch der normale Autofokus, welcher nur einmalig scharfstellt.
Natürlich können Sie die Kamera auch auf Serienbildmodus umschalten. Sie schießen jetzt mehrere Bilder pro Sekunde und erhalten durch den Modus bessere Chancen ein scharfes Foto zu bekommen.
Tipp: Der Autofokus (egal welcher Modus benutzt wird) funktioniert am besten, wenn Sie auf eine kontrastreiche Stelle scharfstellen, also dort, wo der Unterschied zwischen hell und dunkel gut zu sehen ist. Das kann die Iris des Auges im Vergleich zum Augenweiß sein oder auch ein Kleidungsstück im Kontrast zur Haut.
Schwer wird es für jede Kamera, wenn Sie etwas Schwarzes fokussieren (z.B. schwarze Katze oder schwarzer Hund) – also auf irgendeine schwarze Stelle scharfstellen wollen. Hier können Kontrastunterschiede – z.B. im Fell – so gering sein, dass die Kamera nicht gut scharfstellen kann. Stellen Sie, bei einem Tier, auf den Übergang vom dunklen Fell zu einer helleren Stelle im Fell scharf, oder fokussieren Sie auf die Augen, die sich im jeden Fall vom Fell unterscheiden werden.
Es wurde über Belichtungszeit, Stative, Fokusauswahl und Fokusmethode gesprochen. Bleibt noch eine letzte Quelle für mögliche Unschärfen: die Schärfentiefe.
Die Schärfentiefe hängt direkt von der benutzen Blende, der Brennweite und der Entfernung zum Motiv ab. Der Zusammenhang ist einfach: je größer die Blende (große Blenden werden als kleine Zahlen von der Kamera angezeigt, eine Blende von 3,5 ist z.B. deutlich größer, lässt also mehr Licht durch, als eine Blende von 18) desto geringer die Schärfentiefe. Je größer die verwendete Brennweite, desto geringer ist die Schärfentiefe. Und je näher Sie am Motiv dran sind, umso geringer ist die Schärfentiefe.
Es gibt im Internet einige Onlinerechner, die die Schärfentiefe bei gewählter Blende, Brennweite und Entfernung zum Motiv berechnen.
Hier nur ein paar wenige Beispiele:
Bei Blende 3,6, 50 mm Brennweite und einer Entfernung zum Motiv von 40 cm (Nahaufnahme eines Menschen z.B.) beträgt die Schärfentiefe gerade mal 7,6 mm.
Bei Blende 5,6, 200 mm Brennweite und einer Entfernung von 2 Metern zum Motiv beträgt die Schärfentiefe 1,93 cm.
Was diese Zahlen zeigen: die Schärfentiefe kann hauchdünn sein. Wenn Sie nah am Objekt stehen, die Blende groß und die Brennweite lang ist, dann kann die Schärfentiefe nur wenige Millimeter betragen. Bei so einer geringen Schärfentiefe reicht die kleinste Bewegung aus, entweder von Ihnen oder dem Motiv, um das eben noch scharf fokussierte Foto im nächsten Moment unscharf werden zu lassen. Ganz einfach aus dem Grund, weil Sie sich aus dem scharfen Bereich heraus bewegt haben. Und statt auf das Auge scharfgestellt zu haben, ist dann plötzlich die Nasenspitze gestochen scharf.
Wie vermeiden Sie das?
Nutzen Sie ein Stativ.
Benutzen Sie ansonsten den kontinuierlichen Autofokus.
Vor allem wenn Sie Blumen und Insekten fotografieren (grundsätzlich bei Nahaufnahmen) kann es schnell passieren, dass die Blume bzw. das Insekt nicht mehr dort scharf ist, wo es scharf sein sollte, z. B. in der Mitte der Blume, beim Insekt sind es eventuell die Augen bzw. der Kopf, auf den scharfgestellt werden sollte. Sie selber atmen und bewegen sich leicht (was sich nie vermeiden lässt) oder der Wind bewegt die Blume. Diese kleinen Bewegungen können sehr schnell dazu führen, dass Sie sich aus dem Bereich der Schärfentiefe für den fokussierten Punkt heraus bewegen.
Nutzen Sie besser ein Stativ. So spielen Ihre eigenen Bewegungen keine Rolle mehr. Um dann zusätzlich noch Blumen z.B. zu fixieren, können Sie einen Ständer mit Klemmen/Wäscheklammern benutzen. Nutzen Sie diese, um die Pflanze (am Stängel) zu fixieren und achten Sie darauf, dass die Konstruktion nicht auf dem Foto zu sehen ist. Auch Insekten, die sich auf der Pflanze befinden, werden durch so eine Klemmvorrichtung sehr viel ruhiger vor der Kamera sein und Sie haben bessere Chancen, ein scharfes Bild zu bekommen. So eine Vorrichtung lohnt sich aber nur, wenn Sie Makroaufnahmen machen wollen und viele Insekten fotografieren möchten. Achten Sie bei Blumenbildern darauf, nicht zu nah an der Blume zu sein und die Belichtungszeit entsprechend kurz zu halten (vor allem wenn es windig ist).
Ein letztes Wort zur Schärfentiefe: bei Bildern, auf denen viel oder auch alles scharf sein soll, müssen Sie eine kleine Blende benutzen. Erinnern Sie sich: eine große Blende (kleine f-Zahl) ergibt eine geringe Schärfentiefe (gut für Portraits und Fotos, in denen nur ein kleiner Bereich scharf sein soll). Eine kleine Blende (große f-Zahl) ergibt eine hohe Schärfentiefe (gut für Landschaften und Gebäude, Fotos in denen alles auf dem Bild scharf sein soll)
In der Regel sollte Blende 7-10 für Landschaften und Gebäude reichen, noch höhere Blendenzahlen (kleinere Blenden) sollten vermieden werden, da hier dann physikalisch bedingt wieder Unschärfeeffekte auftreten (bedingt durch die Beugungsunschärfe).
Extra Hinweis: alle Objektive haben eine Naheinstellgrenze, also eine kürzeste Entfernung bei der das Objektiv noch scharfstellen kann. Unterschreiten Sie diese Grenze nicht, ansonsten werden die Bilder unscharf. Welche Naheinstellgrenze Ihre Objektive haben, finden Sie im Infoblatt das dem Objektiv beiliegt. Schauen Sie ansonsten auf der Seite des Herstellers nach.
Und was ist mit Kompaktkameras?
Kompaktkameras haben einen – im Vergleich zu Spiegelreflexkameras – sehr langsamen Autofokus. Dazu kommt noch die Auslöseverzögerung die ebenfalls deutlich länger ist. Während bei einer Spiegelreflexkamera einfach nur der Auslöser durchgedrückt wird und praktisch ohne Verzögerung ein scharfes Bild entsteht, so ist dies bei der Kompaktkamera oder Bridgekamera, nicht möglich.
Kompaktkameras eignen sich denkbar schlecht für bewegliche Motive. Ehe die Kamera scharfgestellt ist und auslöst, hat sich das Motiv längst weiterbewegt und Sie haben am Ende ein unscharfes Foto.
Kompakt- und Bridgekameras eignen sich für statische Motive. Schauen Sie im Handbuch nach, ob und wie Sie die Fokusmessfelder manuell auswählen können. Aufgrund des sehr kleinen Bildsensors haben Kompaktkameras eine, von Haus aus, sehr hohe Schärfentiefe. Sie laufen also nicht so schnell Gefahr, sich aus dem Schärfebereich heraus zu bewegen – Sie haben aber den Nachteil, dass Sie die Motive nicht optimal vom Hintergrund freistellen können. Wenn Sie vorhaben, bewegte Objekte zu fotografieren, sollten Sie ernsthaft den Kauf einer Spiegelreflexkamera in Betracht ziehen.
Es folgen nun einige weitere praktische Tipps für häufige Motive.
Ruhige und statische Motive (z.B. Portraits, Stillleben): Hier können Sie mit längeren Belichtungszeiten arbeiten. Achten Sie darauf, nicht zu verwackeln. Bei Nahaufnahmen unbedingt die Augen scharfstellen (manuelle Auswahl der Fokusfelder!). Bedenken Sie bei Nahaufnahmen unbedingt die Schärfentiefe und vermeiden Sie, dass sich das Motiv oder Sie aus der Schärfeebene heraus bewegt! Benutzen Sie ansonsten ein Stativ oder bei Aufnahmen, aus der Hand, den kontinuierlichen Autofokus.
Sich langsam bewegende Motive (Fußgänger und ähnliches): Kurze Belichtungszeit (ab 1/200 Sekunden).
Sich schnell bewegende Motive (herumtobende Kinder, fliegende Vögel, Flugzeuge und Autos): Sehr kurze Belichtungszeit (maximal ein paar hundertstel Sekunden) und kontinuierlicher Autofokus mit Serienbildaufnahme.
Gebäude und Landschaften: Benutzen Sie eine Blende von 7 – 10, damit Sie genug Schärfentiefe haben, Verwackeln vermeiden.
Nachtaufnahmen/Dämmerung: Benutzen Sie ein Stativ und lösen Sie per Selbstauslöser/Fernbedienung/Kabelauslöser aus. Die ISO-Empfindlichkeit sollte auf den Grundwert eingestellt sein. Bei Teleobjektiven sollten Sie idealerweise auch die Spiegelvorauslösung aktivieren. Verwenden Sie die manuelle Fokuspunktauswahl und suchen Sie sich zum scharfstellen eine Stelle im Bild mit guten Kontrast, z.B. Lichter an Gebäuden, aus. Die Blende sollte, wie tagsüber auch, bei Landschaften und Gebäuden zwischen 7 und 9, maximal 10, liegen.
Blumen und Insekten: Achten Sie auf die Schärfentiefe und eventuellen Wind. Stellen Sie entsprechend kurze Belichtungszeiten bei windigem Wetter ein oder fixieren Sie die Pflanze mit einer Klemmvorrichtung. Benutzen Sie eine große Blende (kleine f-Zahl), damit nur die Pflanze scharf ist und der Hintergrund verschwommen. Verwenden Sie unbedingt die manuelle Fokusmessfeldauswahl! Bedenken Sie, dass bei kurzer Entfernung zum Motiv und einer großen Blende kleinste Bewegungen die Schärfeebene ändern und dann nicht mehr unbedingt das scharf ist, was scharf sein soll. Achten Sie ebenfalls auf die Naheinstellgrenze des Objektivs und gehen Sie nicht zu nah ans Motiv.
Insekten bewegen sich teils sehr schnell und nicht vorhersehbar! Aktivieren Sie also den kontinuierlichen Autofokus. Ansonsten fotografieren Sie Insekten am besten früh morgens, wenn Sie noch träge von der Nacht sind und relativ still sitzen. Makrofotos von Insekten punktgenau scharf zu bekommen, braucht viel Übung und auch ein wenig Glück!
Tiere allgemein: benutzen Sie im Zweifelsfall den kontinuierlichen Autofokus (es sei denn, es handelt sich um einen schlafenden Löwen oder ähnliches, hier reicht der normale statische Autofokus). Achten Sie bei Tieren darauf, dass bei Nahaufnahmen auf die Augen scharfgestellt wird. Wählen Sie das Fokusmessfeld manuell aus. Die Belichtungszeit sollte kurz sein. Notfalls die ISO-Empfindlichkeit erhöhen, um kürzere Belichtungszeiten zu erhalten.
Innenaufnahmen ohne Blitz: In Innenräumen herrschen meist schlechte Lichtverhältnisse. Selbst Deckenlampen sind nur wenig hilfreich. Wenn Sie also in Räumen fotografieren unbedingt auf die Belichtungszeit achten, die Belichtungszeit sollte, wenn Sie aus der Hand fotografieren, 1/Brennweite*1,6 nicht unterschreiten (siehe auch Faustregel oben). Wenn Sie einen Bildstabilisator verwenden, können Sie auch längere Belichtungszeiten noch verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren. Teilweise bis zu viermal länger. Der exakte Wert hängt vom Stabilisator ab und davon, wie ruhig Sie die Kamera halten können. Den möglichen Maximaleffekt des Bildstabilisators finden Sie im Handbuch des Objektivs bzw. der Kamera. Achten Sie aber darauf, dass Personen oder bewegliche Objekte dann nicht Bewegungsunschärfe zeigen.
Nutzen Sie ansonsten ein Stativ, achten Sie dabei auf die Regeln, die oben genannt wurden.
Innenaufnahme mit Blitz: Sie sollten Innenaufnahmen mit dem internen Kamerablitz als Hauptlichtquelle vermeiden. Solche Bilder ergeben ein sehr unnatürliches Licht und werden oft abgelehnt, auch wenn die Bilder scharf sind!
Notfalls ISO-Empfindlichkeit erhöhen: wenn Sie bei bewegten Motiven keine ausreichend kurze Belichtungszeit erreichen, weil die Lichtverhältnisse zu schlecht sind, dann erhöhen Sie die ISO-Empfindlichkeit der Kamera! Nutzen Sie – so vorhanden – dafür auch die Auto-ISO Funktion Ihrer Kamera. Bildrauschen können Sie nachträglich entfernen, Bildunschärfe nicht!
Abschluss-Checkliste:
- Verwackeln vermeiden (Mindestbelichtungsdauer ist 1/Brennweite*1,6)
- Fokuspunkte der Kamera manuell anwählen, um eigenen Schärfebereich einzustellen
- Auf die Schärfentiefe achten und bedenken, dass diese manchmal nur wenige Millimeter oder Zentimeter beträgt, ggf. Stativ benutzen, Motiv fixieren, Autofokusmethode ändern oder einen sehr sicheren und ruhigen Stand einnehmen!
- Bei bewegten Objekten kurze Belichtungszeit einstellen! Notfalls ISO-Empfindlichkeit erhöhen.
- Bei schlechten Lichtverhältnissen (z.B. früh morgens, abends oder nachts) ein Stativ benutzen! Eine Nachtaufnahme, aus der Hand, verwackelt meist und wird somit abgelehnt.