Kapitel 10: Bilder komponieren

Beim Fotografieren stellt sich stets die Frage, wo genau im Bild denn nun die Motive zu finden sein sollen. Fotografiert man einen Menschen – sollte er dann in der Mitte stehen? Sozusagen im Mittelpunkt des Interesses?

Diese wohl intuitive Annahme ist falsch. Es hat sich gezeigt, daß Fotos sehr viel ästhetischer wirken, wenn man das Hauptmotiv nicht im Bildzentrum hat. Wie auch in der Malerei sollte man bei der Fotografie dem Goldenen Schnitt folgen.

Die Illustration soll das kurz verdeutlichen: man unterteilt das Bild in zwei senkrechte und waagerechte Linien, die jeweils das Bild dritteln. Motive, die sich an einem der Schnittpunkte der Linien aufhalten (ein Mensch z.B. oder bei Nahaufnahmen die Augen) oder Motive die entlang einer der Linien ausgerichtet sind, wirken sehr viel spannender als jene Motive, die sich z.B. in der Bildmitte aufhalten.

23_bildkomposition.jpg

So sollte z.B. auch der Horizont meist nicht das Bild in zwei gleichgroße Hälften teilen. Je nachdem was man betonen möchte, den Himmel oder das Meer/Motiv, sollte der Horizont entweder entlang der oberen oder unteren waagerechten Linie laufen. Das bereits bekannte Bild des Hamburger Hafens illustriert das, der Horizont läuft in etwa (es muß natürlich niemals exakt sein) die untere Linie entlang.

24_horizontschnitt.jpg

Nicht immer kann man den Bildaufbau beim Fotografieren beachten, z.B. wenn es schnell gehen muss. In der Nachbearbeitung aber sollte man dann mit dem Freistellungswerkzeug das Foto entsprechend zurechtschneiden, so dass das Foto dem Goldenen Schnitt folgt.

Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen. Manchmal muss ein Foto symmetrisch sein, manchmal muss der Horizont oder eine Person genau in der Mitte sein, aber mit entsprechender Erfahrung lernt man solche Situationen zu erkennen. Für die meisten Fotos wird der Goldene Schnitt eine sehr gute Richtlinie sein.

Kategorie: Tutorial 3 Kommentare »

3 Reaktionen zu “Kapitel 10: Bilder komponieren”

  1. khamp

    Der goldene Schnitt oder Götterschnitt ist m.E. wohl mit das Wichtigste für eine für das “menschliche Auge” harmonische Bildaufteilung. Die Definition: _Zwei Strecken stehen im Verhältnis des Goldenen Schnittes, wenn sich die größere zur kleineren Strecke verhält wie die Summe aus beiden zur größeren._ ist einfacher^^ zu verstehen, wenn man sich als Bettlektüre den Wiki-Bericht dazu zu Gemüte führt:
    de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt.

    Aber grob umrissen kann man auch bei einem Schnappschuß eine ‘ein Drittel- zwei Drittel’ Aufteilung im Visier erfassen. Das geübte Auge kann das natürlich einfacher, aber es hat auch mal gelernt ;)

    Als Übung ist die “goldene Spirale” ein sehr geeignetes Muster. Die Spirale hat durch ihre Proportion und Quadratur nahezu perfekte Ausmaße für das übliche Fotoformat.

  2. kk

    Der Goldene Schnitt ist eine Regel wie jede andere – oftmals dazu da, gebrochen zu werden. Wer sich immer nur an Regeln hält, ist uniform, austauschbar, frei von individuellem – quasi gleichgültig.
    Womit ich dieser Regel natürlich nicht ihre Daseinsberechtigung absprechen möchte…

  3. Jay

    Manche Regeln ergeben sich aus Intuition, weil es sich einfach richtig „anfühlt“. Der Goldene Schnitt ist so eine Regel. Selbst wenn jemand noch nie etwas davon gehört hat, aber ein Gefühl für Schönheit und Komposition hat, wird er oder sie Bilder in der Mehrzahl nach diesem Prinzip machen, wenn man ihm (ihr) eine Kamera oder Pinsel und Leinwand in die Hand drückt.
    Weil man von dieser Unterteilung weiß, kann man sie natürlich nutzen, um Aufmerksamkeit auf ein Objekt zu lenken. Es ist eher unwirksam, die Regel zu brechen, nur weil sie als Regel gilt. Natürlich fällt ein schwarzer Ball ganz unten ganz links in einem ansonsten weißen Feld o. ä. auf, aber es wirkt eben eher störend als harmonisch.

    Das Programm Lightroom von Adobe blendet die oben gezeigten Schnittfelder übrigens automatisch an. Sehr praktisch.


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