Kapitel 7: Farbstiche entfernen

Farbstiche sind kein so großes Problem in der digitalen Fotografie. Der automatische Weißabgleich versagt meist nur in Räumen, seltener aber draußen im Tageslicht.

Farbstiche kennt man eher von gescannten Fotos, sei es, dass der Scanner nicht genau genug kalibriert ist, oder dass das Ausgangsmaterial als solches schon einen Farbstich aufweist.

Ein Mittel, Farbstiche schon beim Fotografieren zu verhindern sind z.B. Farbkalibrierungstafeln, diese haben ein weißes, ein 50% graues und ein schwarzes Feld. Man nimmt dann ein Referenzfoto mit der Karte und bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen die anderen Fotos ohne die Karte auf.

Wahlweise ist es auch möglich einen manuellen Weißabgleich mit der Kamera durchzuführen. Hat man ein Foto mit der Kalibrierungstafel geschossen, werden hinterher ganz einfach mit Photoshop die Farben kalibriert.

Wie das genau geht, wird weiter unten erklärt. Hat man beim Fotografieren oder beim Scannen das Bild nicht farbkalibrieren können, bietet Photoshop einige Mittel, um den Farbstich zu entfernen.

Je nach Bild ist es nötig eines, manchmal aber auch mehrere Mittel im Verbund anzuwenden. Der vorliegende Diascan hat einen deutlichen Blaustich. Wie den Blaustich am schnellsten entfernen? Wie immer zunächst eine Kopie der Hintergrundebene erstellen (STRG+J) und diese aktivieren, damit man nicht die Originalpixel verändert und jederzeit zum Ausgangspunkt zurückgehen kann.

17_farbstich_original1.jpg

1. Mit aktivierter kopierter Ebene jetzt den „Auto-Farbe” Befehl von Photoshop testen. Man findet ihn im Bildmenü bei den „Anpassungen”. Auto-Farbe versucht, vollautomatisch Farbstiche zu entfernen.

Manchmal klappt das sehr gut und mehr ist gar nicht nötig. Manchmal funktioniert es aber auch nicht, dann muss das Problem manuell angegangen werden. Hier liefert Auto-Farbe schon mal ein ganz brauchbares Ergebnis. Aber wirklich zufrieden bin ich noch nicht.

18_farbstich_-autofarbe.jpg

2. Wenn man sich nicht mehr an die Farb- und Lichtverhältnisse vor Ort erinnert, ist Farbkorrektur immer auch ein wenig Ansichts- und Geschmackssache. Man sollte es natürlich nicht übertreiben. Hier z.B. wünsche ich mir eine sonnigere Atmosphäre. Ich erstelle also eine Farbbalance-Einstellungsebene und ändere den Gelbanteil des Bildes, bis es mir sonnig genug erscheint.

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3. Vielleicht habe ich es etwas übertrieben mit dem Gelbanteil?

Es gibt noch ein sehr mächtiges Werkzeug zur manuellen Entfernung von Farbstichen: die Gradationskurven. Ich erstelle eine Gradationskurven-Einstellungsebene und klicke auf die weiße Pipette. Mit aktivierter weißer Pipette suche ich mir jetzt im Bild eine Stelle, von der mir bekannt ist, dass sie weiß ist. Wolken z.B. sind bei sonnigem Wetter meistens weiß, so auch die Wolken hier. Ich klicke also einmal mit aktivierter weißer Pipette auf eine weiße Stelle in den Wolken.

Sofort ändert sich die Farbe wieder und der sonnige Effekt ist etwas subtiler. Ich bin mit dem Resultat zufrieden.

20_farbstich_-kurven.jpg

Was ist eigentlich eben geschehen?

Ich habe das Bild teilweise farbkalibriert und zwar habe ich Photoshop mitgeteilt, welche Farbe im Bild es als „weiß” betrachten soll. Hier bei diesem Beispiel reicht das dann auch eigentlich.

Es gibt aber auch Bilder, bei denen es nicht reicht, einen Weißpunkt zu setzen, Bilder, bei denen Auto-Farbe keinen Erfolg hat und man selber auch nicht so recht weiß, in welche Richtung man die Farben verändern soll. Dann hat man mit den Gradationskurven ein potentiell sehr mächtiges Werkzeug.

Hier geht es darum weiß, schwarz und neutral grau zu definieren. Und es kommt die Kalibrierungskarte ins Spiel. Hat man ein Foto mit so einer Karte geschossen, kann man es jetzt verwenden, um eben jene drei Punkte zu definieren. Und man hat sofort ein perfekt farbkalibriertes Bild mit neutralen Farben. Alle anderen Bilder aus der gleichen Fotoreihe (unter gleichen Lichtverhältnissen) lassen sich jetzt ganz bequem in Photoshop mit dem Befehl „Gleiche Farbe” (zu finden im Bildanpassungsmenü) farbkalibrieren, man muss sie dazu nur in Photoshop öffnen und dann den Befehl ausführen.

Meistens hatte man so eine Karte aber nicht zur Hand. Wenn man jedoch genau weiß, welche Stellen im Bild weiß und schwarz sind, kann man diese Punkte schon mal setzen. Entscheidend ist aber meist das neutrale Grau. Hat man kein neutrales Grau im Bild, kann man nicht mit der Pipette den Punkt setzen, es bleibt dann nur das eigene Auge und die manuelle Farbkorrektur des Bildes. Hier hilft dann die vorhin benutzte Farbbalance, oder man kann als visuelles Werkzeug den Befehl „Variationen” (im Bildanpassungsmenü) verwenden.

Zu guter Letzt kommen die Gradationskurven selber ins Spiel, muss man die einzelnen Farbkanäle aufrufen und die Kurven entsprechend ändern. Dies erfordert viel Geduld und Erfahrung und vor allem viel Zeit. Weswegen man nur dann zu dieser manuellen Feinarbeit ansetzen sollte, wenn die anderen Mittel versagen bzw. nicht das gewünschte Resultat liefern.

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