Die häufigsten Fehler in der digitalen Fotografie – und wie man sie beheben kann (1)
Wer sich heutzutage eine digitale Spiegelreflexkamera zulegt, hat ein mächtiges Werkzeug zur Hand. Das volle Potential entfalten digitale Bilder aber meist erst nachdem sie bearbeitet wurden. Der Weißabgleich der Kamera hat sich geirrt und das Bild hat einen Farbstich? Man hat mit Über- und Unterbelichtungen zu kämpfen? Die Farben wirken viel blasser als im Original? Das sind Malheure, die nachträglich in Photoshop korrigiert werden können. Dies ist vor allem dann nützlich, wenn es sich um ein Motiv handelt, das nicht neu fotografiert werden kann. Und es hilft natürlich auch mehr Bilder zu verkaufen!
Mit diesem Tutorial wollen wir die 10 häufigsten Bildfehler die unserer Fotoredaktion beim Sichten der Bilder immer wieder auffallen zeigen und natürlich erläutern wie man diese vermeiden oder nachträglich beseitigen kann. Das Tutorial hat 10 Kapitel die nacheinander im Blog eingestellt werden. Sie können sich das Tutorial aber in Kürze auch als PDF-Version von unserer Startseite www.zoonar.de laden, wenn Sie im linken Menue auf “Hilfe” klicken und dann auf “Tutorials”. Das Tutorial kann kostenlos weitergereicht werden. Webseiten und andere Medien können das Tutorial zum Selbstkostenpreis erhalten und veröffentlichen. Bei Interesse schreiben Sie bitte eine Mail an: mkrabs@zoonar.com
Kapitel 1. Die volle Power der Kamera ausnutzen
Kommen wir auch gleich zum ersten Tipp: nicht im JPEG-Modus fotografieren! Moderne digitale Spiegelreflexkameras arbeiten meist mit einer Farbtiefe von 12 oder 14 Bit pro Kanal, ein JPEG-Bild hingegen hat eine Farbtiefe von lediglich 8 Bit pro Kanal. Was bedeutet das konkret? Eine DSLR (die Abkürzung steht für den englischen Begriff „Digital Single Lens Reflex” oder eben Digitale Spiegelreflexkamera) ist in der Lage, deutlich mehr Helligkeitsunterschiede pro Kanal Rot, Grün und Blau aufzunehmen, als ein JPEG-Foto darstellen kann. Hierzu etwas Mathematik: 8 Bit pro Kanal im JPEG bedeuten 256 Helligkeitsgrade (28 eben), also 256 Helligkeitsgrade jeweils im roten, blauen und grünen Kanal, zusammen sind das 256x256x256 Farben oder knapp 16,7 Millionen Farben. Das ist gleichzeitig auch die maximale Farbauflösung moderner Monitore.
Eine DSLR mit 12 Bit Farbtiefe schafft hingegen 4096 (212) Helligkeitsunterschiede pro Kanal, das macht 4096x4096x4096 bzw. knapp 68,7 Milliarden mögliche Farben. Bei 14 Bit wird der Unterschied noch eklatanter, 14 Bit entsprechen 214 möglichen Helligkeitsstufen pro Kanal, also 16384x16384x16384 bzw. knapp 4,4 Billionen Farben, die möglich sind.
Die Zahlenwerte muss man sich nicht merken. Was man sich merken sollte ist, dass eine DSLR, wenn sie im JPEG-Modus aufnimmt, intern zuerst in voller Farbauflösung fotografiert und dann ebenso intern das Bild ins JPEG-Format umwandelt. Aus den Milliarden oder gar Billionen Farben, die die Kamera aufgenommen hat werden 16,7 Millionen. Wie unschwer zu erkennen ist, geht hierbei eine Unmenge an Information verloren, Informationen, die sich als sehr nützlich erweisen können. Man kann diese zusätzlichen Farben am Monitor nicht sehen, diese können nur jene 16,7 Millionen Farben darstellen, warum also die Mühe?
Fotografiert man im RAW-Modus der Kamera, speichert also die original 12 bzw. 14 Bit Bilder, ist der Spielraum für die Nachbearbeitung sehr viel größer. Abgesehen davon, dass das RAW-Format einem die volle Kontrolle über die digitale Entwicklung der Fotos bietet (so kann man nachträglich den Weißabgleich ändern und viele andere Parameter bequem variieren), sorgt die zusätzliche Farbtiefe dafür, dass Unter- und Überlichtungen z.B. sehr viel besser korrigiert werden können. Bei einem 8 Bit JPEG stößt man hier relativ schnell an die Grenzen des Machbaren. Beim Aufhellen der Schatten tauchen bald Artefakte auf und es rauscht recht stark. Ist der Himmel überbelichtet und will man ihn dunkler machen, tauchen ebenfalls schnell Artefakte auf. Hier zeigt sich dann der Vorteil der großen Farbtiefe. Es ergibt sich sehr viel mehr Handlungsspielraum, wenn es darum geht, die Belichtung nachträglich anzupassen, da eben nicht nur jene 256 Helligkeitsstufen pro Kanal verfügbar sind, sondern 4096 oder gar 16384.
Die erste Regel lautet also: wenn man nicht gerade Sportreporter ist, der mitunter nur wenige Minuten Zeit hat zwischen der Aufnahme des Fotos und der E-Mail an die Agentur, sollte man immer im RAW-Modus arbeiten, zumindest dann, wenn die Fotos wichtiger sind und nicht nur Schnappschüsse vom Urlaub oder den Verwandten. Man muss nämlich Zeit mitbringen, um aus RAW-Fotos JPEGs zu erzeugen, die die Agenturen verlangen. Die zusätzliche Mühe lohnt sich aber, vor allem wenn man nicht unter kontrollierten Bedingungen im Studio fotografieren kann und in der Stadt oder in der Natur unterwegs ist.
Kategorie: Tutorial 10 Kommentare »






am 12. November 2008 um 15:01 Uhr | #
Tolle idee so eine serie zu machen! Allerdings möchte ich doch eine lanze für jpeg brechen:
Ich bin der Meinung, es ist besser, die kamera von gleich “richtig” einstellt (WB, schärfe kontrast, sättigung) um den aufwand beim nachbearbeiten so gering wie möglich zu halten. So halte ichs zumindest…
Was allerdings in zeiten billiger Speichermedien und schneller Festplatten sicher sinnvoll ist, immer gleich raw+jpeg aufzuzeichnen. Sollte dann das jpeg nicht den vorstellungen entsprechen, kann man noch immer die raw-Datei hernehmen.
Ich sage immer: Jpeg ist so wie wenn man einen analogen film zum entwickeln gibt und sich abzüge machen lässt.
Raw ist sozusagen das “digitale negativ” wo man selbst in die dunkelkammer gehen muss (mit allen vor und nachteilen)
soviel meine zwei cent zu dem thema
am 12. November 2008 um 17:19 Uhr | #
Klasse Idee!
Um mal gleich beim ersten Punkt ein zu steigen:
Die beschriebenen Grenzen der Bildbearbeitung beim JPEG-Format sind mir immer wieder schmerzlich aufgefallen. Leider habe ich keinen blassen Schimmer von der RAW-Bearbeitung und weiß auch gar nicht, wo ich mir derartige Kenntnisse aneignen kann. Von Kollegen habe hingegen immer wieder gelesen, daß die kamerainterne JPEG- Verabeitung immerhin noch besser als eine schlechte RAW-Bearbeitung sein soll. Aus diesem Grunde habe ich bislang auf diese Vorarbeit verzichtet.
In meinem Kompendium zu CS3 habe ich ein größeres Kapitel zur RAW-Bearbeitung, das ich an einigen Probeaufnahmen durcharbeiten könnte. Ich weiß halt nur nicht, wie weit man damit kommt.
Lieben Gruß Renate
am 12. November 2008 um 17:36 Uhr | #
Nachtrag:
Hab gerade gesehen, daß die Volkshochschule inzwischen Kurse in RAW-Bearbeitung anbietet, allerdings frühestens in 2 Monaten. Da werde ich mich wohl noch etwas gedulden müssen.
am 12. November 2008 um 17:44 Uhr | #
Ein wichtiger Aspekt von 12 bzw. 14 Bit ist zudem der höhere Kontrast- und Farbumfang. Gerade bei feinen Graduierungen/Schattierungen einer Farbe können 8 Bit problematisch sein. 256 verschiedene Helligkeitsgrade für z.b. grün sind nicht gerade viel wenn es darum geht einen sauberen Verlauf darzustellen. Hinzukommt das unser Auge mehr Grünabstufungen als Rot- oder Blauabstufungen wahrnimmt.
Auch Hell-Dunkel Übergänge profitieren von 14 bzw. 12 Bit, da mehr Farben und Helligkeitstöne zur Verfügung stehen. Bei Aufnahmen mit hohen Kontrastumfang ist dann allerdings auch die Auswahl des richtigen Farbprofils bzw. einer guten Konvertierung des Farbprofils in sRGB notwendig.
ciao Lars
PS: Ich glaube auch viele Sportfotografen schiessen ihre Bilder in RAW, denn in vielen Kameras gibt es die Option RAW+JPG, die es erlaubt beide Bilder gleichzeitig zu speichern. In dem Bilderordner liegen dann eine RAW und eine JPG Datei.
PPS: Für den RAW Workflow kann ich jedem nur Adobe Lightroom oder PhaseOne Capture One empfehlen.
am 13. November 2008 um 14:44 Uhr | #
@ RAW wo anfangen?
Wie mit raw anfangen ist eine gute frage! Meiner meinung nach: Einfach loslegen!
Gut und billig (gratis/spende) ist raw therapee: http://www.rawtherapee.com/
(und die festplatte fürs backup nicht vergessen!)
Einfach irgend eine raw datei hernehmen und damit punkt für punkt das (auch in deutsch verfügbare) handbuch durcharbeiten. Für fragen gibts dort auch ein (englisches) forum.
Für das gespaarte geld kann man dann eine schnelle große Speicherkarte kaufen
am 14. November 2008 um 18:35 Uhr | #
Die Vorteile von RAW kann man ganz einfach nutzen, dazu braucht es keine großen Kenntnisse (@Renate: spar Dir den Kurs, das lernst Du ganz schnell selber).
Was man dazu braucht, ist nur ein RAW Konverter (sollte bei der Software der Kamera dabeigewesen sein) und ein paar ganz einfache Tips:
- Im RAW Konverter selbst muß man erstmal gar nicht viel machen, das einzige was ich mache, ist den Weißabgleich anpassen, wenn er nicht stimmt.
- Dann nach Photoshop übertragen, dabei (ganz wichtig) darauf achten, daß als Format 16-Bit Tiff genommen wird. Damit sind die vollen Informationen in PS vorhanden.
- Dann in Photoshop die “normale” Bearbeitung, also Anpassung von Tonwert- und Gradationskurve, evtl. Helligkeit und Kontrast (aber halt das, was man auch sonst in PS macht).
- Als letzten (!) Schritt den Bildmodus auf 8 Bit ändern, dann als Jpg speichern (wer genug Speicherplatz hat, kann auch davor nochmal in höchster Qualität als 16-Bit Tiff speichern, ist aber sehr groß).
Das war’s auch schon, damit hat man die meisten Vorteile von RAW ausgenutzt, ohne besondere Kentnisse in RAW-Bearbeitung zu brauchen…
Gruß
Dirk
am 24. November 2008 um 09:47 Uhr | #
@Dirk: Du schreibst: “- Im RAW Konverter selbst muß man erstmal gar nicht viel machen, das einzige was ich mache, ist den Weißabgleich anpassen, wenn er nicht stimmt.-”
Damit ignorierst du aber die vielen Vorteile von Camera-RAW. In diesem Programm lassen sich so tolle Dinge anstellen, die perfekte Belichtung erzeugen, die Gradationskurven bearbeiten, Vignetten entfernen oder erzeugen, vorschärfen, Abberationen beseitigen und mehr. Darauf sollte man nicht verzichten. Wer Camera-RAW nur für den Weissabgleich nützt, verschenkt viele mächtige Werkzeuge.
Ein sehr gutes Buch zu diesem Thema ist Scott Kelbys “Glorreiche 7 – Tips, die Ihre Bilder zum Leuchten bringen” Hier der Link bei AMAZON:
http://www.amazon.de/gp/product/3827326397?ie=UTF8&tag=derglaserneme-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3827326397
Da wird in 21 Fallbeispielen genauestens erklärt, wie man vom RAW zum perfekten Bild gelangt. Sehr empfehlenswert, weil praxisnah und überhaupt nicht trocken geschrieben.
LG Christian
am 25. November 2008 um 19:55 Uhr | #
[...] hat man sich entschlossen eine Anleitung zur digitalen Nachbearbeitung als PDF und als Serie im Zoonar Blog kostenlos zur Verfügung zu [...]
am 30. November 2008 um 12:55 Uhr | #
[...] Die häufigsten Fehler in der digitalen Fotografie – und wie man sie beheben kann – eine Serie bei Zoonar (via picspack) [...]
am 8. April 2011 um 11:19 Uhr | #
Für mich liegen die meisten Problem bei der digitalen Fotographie bei der Reproduktion. Wo soll man anfangen. Ein RAW Aufnahme wird am Monitor 1 bearbeitet, auf dem Laptop angesehen, auf den Fernseher angesehen (Plasma oder LCD/LED). Doch dann kommt man auf die Idee das Bild auf’s Papier zu bringen. Nun wird alles nur noch schlimm. Schärfe weg, Farbstiche, Kontrast miserable und das obwohl ich nicht bei Discountern meine Fotos machen lasse. Es sind zu viel Einflußgrößen die man nicht beherrscht. Monitor kalibrieren, Farbprofil bei Photoshop einstellen, und dann wenn möglich das Farbmanagment des Entwicklers kennen. In der Dunkelkammer mußte man auch experimentieren, aber man war allein dafür anwortlich, jetzt bin ich von Software, Hersteller der Monitore und natürlich dem Papier abhängig. WYSIWYG verliert seine Gültigkeit und heißt jetzt What the machine make What you get.