Entstehung eines ungewöhnlichen Bildes
27. Februar 2008 - 16:11 UhrAlles fing damit an, dass mir meine Tante Ende Dezember 2007 einen Bogen Synthetikpapier aus Kanada mitbrachte. YUPO. Der Name sagte mir nichts, aber meine Verwandschaft versicherte mir, dass dieses Papier in den USA und Kanada unter Künstlern gerade der Renner ist. Da ich gerne gestalterisch experimentiere, packte ich sogleich meine Tuschefarben aus und erlebte die erste böse Überraschung. Die Farben waren so gut wie unbeherrschbar. Gut, darin liegt der Reiz dieses Papieres, aber ich drehte mich einmal um und schon sah das Bild wieder ganz anders aus. Ich male gerne abstrakte Aquarelle, doch dieses Papier verhindert einen mehrmaligen Farbauftrag, da die untere Schicht wieder angelöst wird.
Ich wollte das Papier schon unter “exotisch” ablegen, da kam mir die Idee, Ausdrucke zu verfremden. Ab da nahm die YUPO Sucht ihren Lauf. Leider gab es ein Problem: In Deutschland gibt es keinen YUPO Vertrieb. Mittlerweile mailte mir der Sales Manager von YUPO Europe GmbH. Er hatte eine solche Technik noch nie zuvor gesehen und schickte mir netterweise einige Probebögen. Je mehr ich testete, desto verzweifelter suchte ich nach Ersatz und fand LanaVanguard, das einzige Papier, das hierzulande im Künstlerbedarf zu haben ist. Nicht ganz unproblematisch, denn dieses Papier ist schwieriger zu handhaben und trocknet nach 3 Wochen ölig auf. Mittlerweile stoppe ich den fortschreitenden Veränderungsprozess einfach vorsichtig mit dem Föhn. Ich möchte nicht zu viel von meiner “Technik” verraten, aber auch wenn ich meinen (Künstler-)Kollegen erkläre, wie die Bilder entstehen, fragen sie trotzdem, ob die Bilder pastos sind, weil es schwer vorstellbar ist, aus Fotos so einen dreidimensionalen Effekt rauszuholen. Die Bilder würden auch als Acrylbilder durchgehen.
Ich habe jetzt endlich das Gefühl, dass meine Fotografien richtig eingesetzt werden, denn mir sagte mal ein Freund: “Du fotografierst mit den Augen einer Malerin!” Für mich war das auch bislang sehr frustrierend, gegen den Agenturtrend zu fotografieren und auf die Idee, meine eigenen Fotos künstlerisch zu verfremden, bin ich nur gekommen, weil ich gerade an meinem ersten Kinderbuch arbeite und Hintergründe für die Illustrationen brauchte. Wird man in Zukunft YUPO in Deutschland beziehen können? Ich habe mit dem Verkaufsleiter des größten Künstlerversandes gemailt und er sucht gerade nach einer Alternative zu LanaVanguard. Na, wie gut, dass ich gerade die Adresse von YUPO Europe hatte.
Wir werden sehen, was daraus wird.
Auf meiner Kunst-Website habe ich viele Beispiele, von den Anfängen, über einige Papiersorten bis zu den neuesten Arbeiten:
http://www.gonschorek-design.de
Ich wurde schon gefragt, ob ich nicht ein “Making Of” drehen möchte, aber mal ehrlich: solange mein Atelier aussieht, als wäre eine Horde Büffel durchgerannt, möchte ich davon absehen. Eine passende Plattform zur Präsentation wurde mir allerdings schon angeboten und ich habe für den Laufe des Jahres 2008 zugesagt.
Gruß aus Wiesbaden
Daniela Gonschorek













